Susana Szwarc: El ojo de Celan - Das Auge von Celan

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El ojo de Celan    Das Auge von Celan
Gedichte, zweisprachig: Spanisch –  Deutsch
 
ISBN 978-3-911645-00-3


Einband, broschiert
114 Seiten
14 x 20 cm
20,00 Eur[D] / 22,00 Eur[A/CH]


Herausgegeben und aus dem argentinischen Spanisch ins Deutsche übertragen von Juana Burghardt und Tobias Burghardt. Umschlaggestaltung von Juana Burghardt. Mit einem Nachwort von Tobias Burghardt


Edition Delta, Stuttgart 2026 

Susana Szwarc 
(Foto: Delta-Archiv, Stuttgart)


Für die uruguayische Schriftstellerin Cristina Peri Rossi kombiniert die Poesie der argentinischen Dichterin Susana Szwarc »die Traditionen, ausgehend vom Archaischen, vom verwirrenden Stammeln Babylons. Und sie kombiniert das Alltägliche mit dem Imaginären, das Wirkliche mit dem Metaphysischen, eine Art Nachhall, wo die Beklemmungen des Daseins brodeln.«

Manche bemerken in ihrem Schreibstil einen cineastischen Zugriff und nehmen das Gedicht bei Susana Szwarc als ein Filmscript oder einen Clip wahr. Dies geschieht durch innere Gespräche, diverse Stimmen, die sich im Text auffalten und allmählich ins Offene tasten. Ein Labyrinth oder Fächer – entlegene Orte, Erinnerungen, Ungewissheiten, Andeutungen, Zweifel, Ereignisse, Assoziationen oder auch Blickreste, die sich verweben, bisweilen verknoten. 

Mit Celan verbindet Susana Szwarc nicht allein eine gewisse poetische Affinität. 

Und der argentinische Dichter, Erzähler und Essayist Luis Benítez vermerkt zusammenfassend in seinem Blog »Ala de cuervo« (Krähenflügel): 

»Letztendlich ist ›Das Auge von Celan‹ eine neue Meisterleistung der talentierten argentinischen Autorin und ein unverzichtbares Werk im Bücherregal aller Begeisterten der zeitgenössischen lateinamerikanischen Lyrik.

Absolut empfehlenswert.« 

Susana Szwarc
 
Kommen und Gehen

Der Mann, der mir das Essen bringt, kommt
(ich bestelle es gerne, ich mag es, das Papier zu öffnen,
in das es eingewickelt ist, und es abkühlen zu lassen.
Eine andere Frau ist diejenige, die kocht, und zwei Männer
verteilen es an die Häuser).

Aber an diesem Samstag
fragt er mich: Was machst du in deinen Kursen?
Ich möchte heutige Lyrik lesen und verstehe sie nicht,
sagt er mir.

Da lasse ich ihn herein.
Ich suche meine Brille, ich suche den Aschenbecher,
und schlage zuerst Juarroz auf
und danach Gianuzzi.
Ich mag’s, sie so aufzuschlagen, zufällig, auf irgendeiner Seite,
zu sehen, wie die Buchstaben hervorspringen.

Kaffee und Äpfel lese ich, während das Essen,
das mir dieser Mann gebracht hat,
auf dem Tisch weiter abkühlt.
 
Wir verstricken uns in diese fremde Musik,
die uns eigen wird, und die Augen
des Mannes, der mir das Essen bringt,
füllen sich mit Tränen. Ich verstehe, sagt er mir,
das, was ich nicht verstehe.
 
Und Borges? Fragt er, glaubst du, ich komme
mit ihm zurecht? Ich reiche ihm ein Papiertaschentuch
und er wischt sich die Tränen ab.
 
Bevor er geht, fragt er noch einmal: Also
haben sie mir weisgemacht, dass ich nichts verstehe?
 
Wir verstehen nichts und brauchen das auch gar nicht.
Es reicht, diese Sätze über die Lippen zu bringen.
 
Der Mann, der mir das Essen bringt, geht.
Und ich genieße langsam die Häppchen.
 
Ins Deutsche übertragen von Juana Burghardt und Tobias Burghardt