Eugénio de Andrade: Das Salz der Sprache & Die Furchen des Durstes

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AN LISSABONS JACARANDABÄUME

Sie kündigen den Sommer an.
Ich kenne keine andere Pracht, kein weiteres
Paradies: an seinem Eingang stehen die Jacarandabäume
in voller Blüte, einer an jeder Seite.
Und ein Lächeln, ruhige Wohnstatt,
erwartet mich.
Der Raum in ihrer Umgebung
vervielfacht seine Spiegel, öffnet
Balkone zum Meer.
Und wie in den kindlichsten Träumen:
kann ich fliegen und die hohen Wolken
fast berühren – Bruder der Vögel –,
mich in der Luft verlieren.

Das Salz der Sprache & Die Furchen des Durstes – O Sal da Língua & Os Sulcos da Sede
Gedichte, zweisprachig: Portugiesisch – Deutsch

ISBN 978-3-927648-38-8

Einband, broschiert
199 Seiten
15,6 × 15,6 cm
17,50 Eur[D] / 18,50 Eur[A] / 23,00 sFr

Zwei Einzeltitel aus den Jahren 1995 und 2002 in einem Band. Aus dem Portugiesischen von Juana und Tobias Burghardt. Umschlaggestaltung von Juana Burghardt. Mit einem Nachwort von Tobias Burghardt

Edition Delta, Stuttgart 2011

Das obige Portraitgemälde des portugiesischen Dichters Eugénio de Andrade (1923-2005) stammt vom portugiesischen Künstler, Schauspieler und Maler José Viana (1922-2003).

EUGÉNIO DE ANDRADE wurde am 19. Januar 1923 in Póvoa de Atalaia, einem kleinen Ort der Beira Baixa, als José Fontinhas geboren. Er wuchs mit seiner Mutter die ersten acht Jahre auf dem Lande auf, bevor sie mit ihm nach Lissabon ging. In den Sommerferien kehrte er regelmäßig zu seinem Großvater, einem Steinklopfer, an seinen Geburtsort zurück: »Aus dieser lichterfüllten Kindheit erbte ich Bilder der Freiheit, denn ich lebte in ständiger Berührung mit der Erde und den Tieren, mit spontanen Menschen, die noch sehr nah an den Grundbedürfnisse des Körpers und der Seele leben.«

In seiner Schulzeit in Lissabon verbrachte er viele Nachmittage stundenlang in öffentlichen Bibliotheken, las Bécquer, Pessoa, Passanha, Baudelaire, Verlaine, Rimbaud und schrieb seine ersten Gedichte. Als er mit 19 Jahren seinen Lyrikerstling veröffentlichte, erfand er das Pseudonym Eugénio de Andrade. Nachdem er ein Jahr später mit seiner Mutter in die Nähe von Coimbra gezogen war, führte er seine Ausbildung fort und machte Militärdienst. Dann wurde er Verwaltungsinspektor im Gesundheitsamt von Lissabon, das ihn erst nach Coimbra versetzte und schließlich nach Porto, wo er 35 Jahre im sozialmedizinischen Dienst tätig war. Neben jenem Beruf lebte er ein zurückgezogenes Dasein als Dichter, veröffentlichte rund 25 Lyrikbände, übersetzte Gedichte von Lorca und Sappho sowie »Die portugiesischen Briefe« von Mariana Alcoforado (1640-1723) und wurde der bedeutendste moderne portugiesische Dichter von internationalem Rang. Eugénio de Andrade starb am 13. Juni 2005 in Porto.

Seine Gedichte wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und in mehr als fünfzig Einzeltiteln weltweit veröffentlicht. 1997 erschien bei Hanser in München die Werkauswahl »Stilleben mit Früchten« (Ausgewählte Gedichte 1942-1995) in der deutschen Übersetzung – ohne portugiesische Originaltexte – und mit einem klugen Nachwort von Curt Meyer-Clason. Wo jene einsprachige Auswahl aufhört, setzt die vorliegende zweisprachige Veröffentlichung der beiden letzten Bände von 1995 und 2002, in der endgültigen Fassung, an: »O Sal da Língua & Os Sulcos da Sede – Das Salz der Sprache & Die Furchen des Durstes«.

Eugénio de Andrade sucht in seinem Spätwerk stets nach vertrauten Gesprächen unter Freunden wie mit den Dingen, die der elementaren Welt angehören, in der ihnen eigenen Natur der Stille, und wacher Aufmerksamkeit bedürfen: Erde und Hand, Flamme und Stimme, Baum und Erinnerung, Licht und Körper, Kindheit und Mutter, Wunsch und Wort, Durst und Salz, Haus und Luft, Wasser und Sommer, Kalk und Zikade. Die Wortmusik von Eugénio de Andrade ist eine Feier der Welt, die am Dualismus »der westlichen Kultur« leidet und eine paradiesische Urverbundenheit des Lebens in seiner glühenden Unvollendetheit dagegen stellt.

Seine Poetik ist minimalistisch, leise, schlicht, transparent. Darüber schrieb er einst: »Siehe, der Mensch, scheint jedes Gedicht zu sagen. Hier ist der Mensch, hier ist sein flüchtiges Gesicht, geschaffen aus tausend Gesichtern, alle atmen prächtig auf der Erde, keines ist erhabener als das andere, sie sind getrennt durch tausendundeine Verschiedenheit, vereint durch tausendundeine gemeinsame, gleiche und andersartige Sache, allesamt ähnlich und doch jedes einzelne einzig, einsam, verlassen. Mit jenem Gesicht ist der Dichter innig verbunden.«

Tobias Burghardt (Spuren)

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