Park Hijin: Himmelsnetz

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Kunst macht den Menschen rein, aber einsam.
藝術예술은 사람들을 정화하나 고독하게 만드는 것.

Das Gedicht ist ein Geheimnis, klar wie die Rose.
詩시는 神秘신비다. 그러나 薔薇장미처럼 명확한 神秘신비다.

Ein Dichter ohne Muttersprache ist wie ein Fisch ohne Wasser.
母國語 모국어를 여읜 詩人시인은 물을 여읜 물고기.

Himmelsnetz
Zweisprachig: Koreanisch (teilweise) – Deutsch

ISBN 978-3-927468-21-0

Einband, broschiert
156 Seiten, 9 s/w Autorenfotos
15,6 × 15,6 cm
17,50 Eur[D] / 18,50 Eur[A] / 23,00 sFr

Werkauswahl (1960-2003) mit vielen Originaltexten. Aus dem Koreanischen übersetzt und mit einem Nachwort von Doo-Hwan und Regine Choi. Herausgegeben und mit einer Zeichnung von Juana Burghardt.

Edition Delta, Stuttgart

PARK HIJIN wurde 1931 in Yonchon geboren. Seine ersten 14 Lebensjahre fielen noch ganz in die japanische Kolonialzeit (1910-1945). Im wohlhabenden ländlichen Elternhaus wurde die klassische chinesische und koreanische Bildung vermittelt. In der Schulzeit fand seine Begegnung mit der europäischen Literatur, u.a. Rilke, Yeats, Baudelaire, Valéry und Elliot, noch auf Japanisch statt, d.h.: in japanischen Übersetzungen. Korea befand sich in der letzten Phase der japanischen Kolonialzeit, als die Kampagne gegen die koreanische Kultur ihren Höhepunkt erreichte, der Gebrauch des Koreanischen auch privat verboten war und selbst koreanische Familiennamen japanisiert wurden. Später nannte sich Park Hijin einen durch seine Schulbildung und Sprache „durch und durch japanisierten Knaben“. Erst in der Studienzeit entdeckte er bei der Lektüre koreanischer Dichter die ganze Schönheit seiner Muttersprache und die eigene Identität als Koreaner. Vor diesem Hintergrund läßt sich der Beginn seines Vierzeilers „Ohne Titel 무제“ (S. 108) besser verstehen: „Gott sei Lob und Dank, daß ich im Land der Morgenstille / als Dichter der koreanischen Sprache geboren bin!“ Aus diesem Bewußtsein erwuchs sein Schreiben in der koreanischen Sprache, der Sprache eines Landes, das von der politischen Landkarte hatte ausradiert werden sollen.

Er arbeitete nach seinem Anglistikstudium an der Koryo-Universität als Englischlehrer am Dongsong-Gymnasium in Seoul und gewann als junger Dichter viele Bewunderer, die ihm teilweise bis heute verbunden sind. Während sich viele andere koreanische Dichter nach wie vor der gesellschaftlich engagierten Literatur verschrieben haben, ging Park Hijin einen anderen Weg. Als sich das Militärregime in den 60er Jahren verfestigte, entzog er sich dem öffentlichen Kulturleben: er lehnte den Vorsitz des Koreanischen Dichterverbandes ab, gab mit Freunden die zwölfbändige „Anthologie der 60er Jahre“ heraus und zog sich aus der Literaturszene zurück. 1965 gründete er als erster koreanischer Dichter einen Lese- und Dichterkreis, der seither jeden Monat Teilnehmer aus verschiedenen Kreisen der Gesellschaft anzieht und im Jahre 2005 die 300ste Sitzung feierte. Im Gefolge dieser Initiative gründeten andere Dichter ähnliche Kreise.

Er verfolgte seinen Rückzug in die schöpferische Unabhängigkeit mit aller Konsequenz, gab bereits mit 53 Jahren den Schuldienst als Englischlehrer auf und lebt bescheiden und zurückgezogen als Junggeselle, ein ungewöhnlicher Status in seiner Generation, wie im „Epitaph des Dichters 어느 시인의 묘비명“ (S.82) beschrieben: „Ich wünschte zu Lebzeiten, unsichtbar zu leben, / und so lebte ich auch …“

Es mutet leicht widersprüchlich an, daß er beim heutigen Lesepublikum in Korea nicht mehr so bekannt zu sein scheint, aber mit etlichen anerkannten Literaturpreisen ausgezeichnet wurde, darunter 1976 mit dem Woltan-Literaturpreis, 1988 mit dem Preis für moderne Dichtung, 1991 mit dem Preis des Koreanischen Dichterverbandes sowie 1999 mit der Bogwan-Kulturmedaille und dem Sangwha-Poesiepreis. Im Juni 2007 wurde Park Hijin als ordentliches Mitglied in die angesehene Koreanische Kunstakademie gewählt. Zudem wirkte er durch diverse Initiativen in die Gesellschaft hinein. In den vergangenen 20 Jahren ging sein äußerer Rückzug einher mit einer zunehmenden Hinwendung zu ostasiatischem Gedankengut des Konfuzianismus, Taoismus, Buddhismus und Pungryudo. Davon zeugt die vorliegende Auswahl: etwa im leitmotivisch wiederkehrenden Streben nach Reinheit, im Schweigen, das oft im Schweigen des Buddha gipfelt, in der Hinwendung von außen nach innen und im taoistischen Einswerden alles Seienden und aller Gegensätze, eine Denkbewegung, mit der seine Gedichte gerne ausklingen: „In seinen Gedichten // fließen Vergangenheit Gegenwart und Zukunft ineinander / … wie die Natur so ist wie das Ewige so ist“ („In seinen Gedichten 그의 시“, S. 101). Auch die unscheinbarsten Naturerscheinungen „lassen uns im Jetzt die Ewigkeit erkennen“ („Lob der Magnolien 목련송(木蓮頌)“, S. 81). In diesen Zusammenhang gehört auch der oft auftauchende Gedanke des Pung ryu do (Weg des Pneuma), einer koreanischen Naturphilosophie, die alles Leben vom Fließen des Pneuma (Qi / Chi) im All herleitet.

Park Hijin versucht, „im Jetzt die Ewigkeit“ durch viele Formen einzukreisen: in Langgedichten wie „Hände“ (S. 45) oder „Die Zunge“ (S. 48), in Sonetten und koreanischen Vierzeilern. In den letzten Jahren zeigt sich bei ihm eine wachsenden Tendenz zur Reduktion: bis hin zu vielen Einzeilern. Sie knüpfen an die chinesische und koreanische Tradition der kurzen Bildgedichte oder einzeiligen Vier-Zeichen-Sprüche (Sa ja song o) der chinesischen Klassiker an, wie sie in Korea noch an traditionellen Gebäuden wie Palästen und Yangban-Häusern zu sehen sind. Gemeinsam ist ihnen ein lehrreicher Ton, der Park Hijin selbst in die Reihe der Lehrer und Meister stellt. Daß er die Rolle des Dichters durchaus in diesem Sinne begreift, zeigen die zahlreichen Gedichte über vorbildliche Persönlichkeiten, u.a. Rilke, Tagore, Tschakan und Dostojewski, deren Verehrung, ganz in ostasiatischer Tradition, ein Grundton seines Dichtens ist.

Daneben ist in seinen Gedichten buddhistisches Gedankengut unmittelbar oder ungenannt gegenwärtig, wie es besonders von der buddhistischen Schule des Hwa om (Sanskrit: Blumen om) vertreten wird: staunendes Schauen aller Erscheinungen des Lebens und Lob der Schöpfung. Seine sympathische Definition des Menschen lautet: „ein Tier, das lobpreisen kann“ (S. 124), zuweilen mit feinsinnigem Humor unterlegt, doch erst „großes Bejahen und Lobpreisung“ ermöglichen das unbegrenzte Gedicht (S. 124).
Sein Hauptthema ist überhaupt der Akt des Dichtens und die dichterische Existenz. Sie nährt sich aus dem schon im Taoismus und Konfuzianismus dominierenden Ideal des Su do Ja (Weg des Tao-Übenden): einer mönchischen Lebensform wie in Europa etwa bei den frühchristlichen Eremiten und russischen Pilgern. Dichten als lebenslange und existentielle Aufgabe, als religiöse Verbindung von Himmel und Erde, wobei der Dichter mitten in der Zehnmillionenstadt Seoul wie auf einer „Niemandsinsel“ lebt, durch Meditation und freiwillige Askese nach Tugend und Erleuchtung strebt und somit Autorität als Lehrer und Meister gewinnt. Dieses Ideal, dem sich Park Hijin verschrieben hat, evoziert er in seinen Künstlergedichten, was ihm zuweilen kritische, aber auch einfühlsame Stimmen beschert. Gerade diese Haltung mit dem Anflug eines verschwiegenen Lächelns und das daraus erwachsene Schreiben macht seine besondere Originalität unter zeitgenössischen koreanischen Dichtern aus.

Wer Park Hijin in seiner kleinen Wohnung aufsucht, trifft auf eine zunächst verwirrende Vielfalt kleiner Kunstobjekte, die nur ein Liebhaber gesammelt haben kann. Im Mittelpunkt aber nimmt ein Buddhakopf den Blick gefangen. Das läßt an sein vierzeiliges Kurzgedicht „Der Buddhakopf 불두佛頭“ (S.93) denken: der Gegensatz vom lauten Gewirr der Megalopolis zur Stille seiner Behausung unter dem Blick des Buddha. Und vor dem breiten Fenster seines Hinterzimmers entfaltet sich das majestätische Panorama des Pukhan-Bergmassivs, das zu strenger Konzentration einlädt.

Wir kennen ihn als schweigsamen Menschen, sogar in seinem Lesekreis. Er mischt sich kaum unter die Leute, scheint auch wenig umgänglich und liebenswürdig, lacht fast nie, setzt sich abseits, weniger jedoch aus Bescheidenheit, sondern eher, um seine Ruhe zu wahren. Er ist eine sehr gesammelte Existenz und möchte diese innere Sammlung lieber nicht durch Banalitäten zerrinnen lassen. Aber sobald er seine oder andere Gedichte vorträgt, die er mitunter interpretiert, und über Dichtung spricht, ist er begeistert.
In der freien Natur fühlt er sich besonders wohl, z. B. bei dem im Frühling und Herbst stattfindenden Poesiefest am Berg Si san jä, wenn sich sein Dichterkreis auf dem Pukhan am Rande von Seoul an einer einsamen Stelle versammelt. Dort werden dem Berggeist – eine Konzession an die schamanistische Tradition – würdevoll Speisen und Getränke dargeboten. Die Teilnehmer tragen eigene Gedichte und Lieder vor, um anschließend fröhlich miteinander zu essen und zu trinken.

Hervorzuheben sind seine Lesungen im Wald, dem passenden Ort für seine Naturgedichte. Sein Engagement für die Aufwertung der koreanischen Pinie ist bemerkenswert. Nicht zufällig hat er ihr den Lyrikband „Meine liebe Pinie“ mit Zeichnungen gewidmet. Er möchte die Anerkennung der Pinie, welche die koreanische Berglandschaft beherrscht und als Symbol der Aufrichtigkeit und Beständigkeit sogar Eingang in die koreanische Hymne gefunden hat, als Landesbaum neben der Landesblume Hibiskus. Seine Initiative hat schon Parlamentsebene erreicht.

Vor wenigen Jahren hat Park Hijin am Rande eines buddhistischen Mönchsfriedhofes die eigene Grabstele enthüllt, die von ehemaligen Schülern entworfen und gestiftet wurde. Sie soll später seine Urne bergen. Auf der Rückseite steht das Gedicht „Der Durchgang 통로通路” (S. 91) eingraviert. Park Hijin gehört zur älteren Dichtergeneration im heutigen Südkorea und ist dort ein Klassiker der Moderne. Sein Gesamtwerk umfaßt 25 poetische Einzeltitel und erscheint seit 2004 im Verlag Shi ua Jinshil, Seoul, bisher 4 Sammelbände Lyrik. Seine Gedichte wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Die chronologische und teilweise zweisprachige Werkauswahl lädt dazu ein, den Weg dieses unverwechselbaren Dichters kennenzulernen.

Doo-Hwan und Regine Choi (Nachwort)

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