A quin paisatge
poden adscriure els somnis
els sense pàtria?

In welche Landschaft
gehören wohl die Träume,
die heimatlosen?

 


Liebe Marta & Haikus in Kriegszeiten – Estimada Marta & Haikús en temps de guerra

Gedichte, zweisprachig: Katalanisch - Deutsch

ISBN 978-3-927648-29-6

Einband, broschiert
156 Seiten
15,6 × 15,6 cm
17,50 Eur[D] / 18,00 Eur[A] / 30,00 sFr

Zwei Einzeltitel aus den Jahren 1978 und 2002 in einem Band. Mit einer Zeichnung von Juana Burghardt. Aus dem Katalanischen von Juana und Tobias Burghardt. Mit einem Nachwort von Tobias Burghardt

Edition Delta, Stuttgart 2010

Miquel Martí i Pol

MIQUEL MARTÍ I POL, der katalanische Dichter, lebte zwischen 1929 und 2003. Zeit seines Lebens verbrachte er in Roda de Ter, einer Kleinstadt im katalonischen Bergland, wo er mit vierzehn Jahren anfing, in einer Textilfabrik zu arbeiten. Der junge Lyriker wurde in seiner Region bekannt, als er 1954 für seinen Erstling Paraules al vent (Wörter im Wind) einen wichtigen Literaturpreis erhielt. Vierzigjährig erkrankte er unheilbar an Multipler Sklerose und mußte sehr bald seine Arbeitsstelle kündigen. Den ersten sieben Jahren mit der Krankheit widmet der Dichter das Kapitel Set poemes d’aniversari (Sieben Gedichte zum Jahrestag). Darüber erzählt er im Vorwort zur Originalausgabe und läßt die katalanischen Leser an der lebenslangen Veränderung teilhaben, die drei notwendige Dinge für ihn und sein Schreiben bedeuten: «die Verinnerlichung, die Betrachtung und, als fast unumgängliche Auswirkung, die Poesie.» Das neue Leben, seine Grenzen und seinen «Fächer an Möglichkeiten» erschließt der zweite Zyklus Capfoguer (Feuerrost), der zwanzig Gedicht umfaßt. Das dritte Kapitel Estimada Marta (Liebe Marta) mit fünfzehn Gedichten, das dem Lyrikband aus dem Jahr 1978 den Haupttitel verleiht, gehört zu den schönsten erotischen Dichtungen der katalanischen Moderne.

Die Komplizenschaft der Vertrautheit, nach der Miquel Martí i Pol strebt, verzaubert seine Verse, die durch ihre Klarheit bezaubern. Zusätzlich zur politischen Haltung des Dichters und der parallel einhergehenden Erlangung der demokratischen Freiheit Spaniens und Kataloniens sind seine Dichtungen landauf, landab äußerst beliebt. Fünfunddreißig Lyrikbände umfaßt sein Gesamtwerk. Die zweite Hälfte des vorliegenden Doppelbandes schrieb er um den Jahrtausendwechsel herum: Haikús en temps de guerra (Haikus in Kriegszeiten). Die fünf Zyklen versammeln wunderbare Haikus und Tankas, wobei innigste Erlebnisse und politische Erkenntnisse ineinander übergehen und selten das ironische Ausrufungszeichen dem Schicksal unabänderlich überlassen. Dabei entwickelt er seine poetologischen Reflexionen oder erotischen Vorstellungen ebenso wie seine Einschätzungen zum Kosovokrieg und auch lose Gedanken als Kommentare zum Geschehen.

Im Erscheinungsjahr 2002 wurden vier Auflagen im folgenden Rhythmus herausgegeben: Februar, März, April und Juli. Das letzte Tanka ist ein gewissenhafter Mahnbrief an jede Eitelkeit: «Dennoch laß ich mich / vom Traum in den Schlaf wiegen, / bis sich auf einmal / eine Stimme laut beklagt: / keine Literatur mehr!»

Miquel Martí i Pol starb 2003 in Vic und hinterließ ein poetisches Werk von herausragender Bedeutung, jedoch nicht allein für den heimischen Leser im mediterranen Katalonien. Hier liegen jetzt vier seiner Einzelbände in zwei Doppelbänden vor, die einen tiefen und breit gefächerten Einblick erlauben. Mit immer anderen Worten fragt der Dichter nach einem Ort der Harmonie: Wo nur finden die heimatlosen Träume ihr Zuhause?

Tobias Burghardt (Musica humana)

 

Wir haben kaum Zeit,
die alltäglichen Dinge
zu sagen. Laßt uns
das Schweigen, die Gesten und
die Wörter wohl bemessen.

 


Der Bereich aller Bereiche & Nach allem – L’àmbit de tots els àmbits & Després de tot

Gedichte, zweisprachig: Katalanisch - Deutsch

ISBN 978-3-927648-09-8

Einband, broschiert
180 Seiten, 1 s/w Autorenfoto
15,6 × 15,6 cm
17,50 Eur[D] / 18,00 Eur[A] / 30,00 sFr

Zwei Einzeltitel aus den Jahren 1980 und 2002 in einem Band. Zeichnung von Juana Burghardt. Aus dem Katalanischen von Juana und Tobias Burghardt. Mit einem Essay von Alberto Szpunberg

Edition Delta, Stuttgart 2007

Miquel Martí i Pol

MIQUEL MARTÍ I POL wurde am 19. März 1929 in Roda de Ter, einem Dorf der Provinz Barcelona, geboren. Seine Kindheit verlief in den Wirren der Republik, gefolgt vom Bürgerkrieg und Sieg des Faschismus, der Katalonien zu einer Besatzungszone und das Katalanische durch die Übermacht der Waffen zu einem „schlecht gesprochenen Spanisch“ machte, d.h.: einem „befremdenden Dialekt“ am Rande, der schließlich verboten wurde. Er ging in die Pfarrschule seines Dorfes und lernte in seinen Gassen, daß es weder eine durchsetzbare Verordnung gibt, welche die Identität eines Volkes ausmerzt, noch eine Sprache, die zum Verstummen gezwungen werden kann. Vielleicht entschied er damals, ein katalanischer Dichter zu werden, und seine Poesie sollte die Stimme der zum Schweigen Verurteilten sein. Er kam aus einer einfachen Familie, begann mit 14 Jahren, in der Textilfabrik Cala Tecla Sala zu arbeiten, in der seine Mutter beschäftigt war, und lernte dort etwas dazu, das er nie vergessen würde: die Erniedrigten und Gepeinigten der Welt konnten nicht weniger als eine gleichberechtigte und gerechte Welt erträumen und mußten dafür kämpfen, um ihr gelobtes Land zu erreichen. Niemals diese Lehren des Lebens vergessen zu haben, brachte ihm die Anerkennung seines Volkes und folglich der grenzenlosen Erde ein, die an der Hand der besten Poesie die Wege jedes Dorfes bis ins Unendliche bahnt.

Eine Lungentuberkulose zwang den 19-Jährigen ein Jahr lang zur Bettruhe, was ihm gestattete, zu schreiben und vor allem zu lesen. Saint-Exupéry, Simone de Beauvoir, Apollinaire, Flaubert, Zola, Racine, Huysmans und Roland Barthes standen ihm an den Pforten der großen Literatur zur Seite und wurden so vertraut, daß er sie Jahre später hervorragend ins Katalanische übersetzte.

Sein Debütband „Paraules al vent“ wurde 1954 mit dem Literaturpreis „Ossa Menor“ geehrt und fügte seinen Namen zu den Besten der neuen katalanischen Poesie hinzu. So kehrte er zu öffentlichen Tätigkeiten zurück und verwandelte die Filmforen und Bühnen der Liedbewegung Nova Cançó in Versammlungsorte, in denen seine Gedichte zu Massengesängen wurden. Er war davon überzeugt, daß die Franco-Diktatur nicht nur durch Filme, Debatten und Lieder bezwungen werden konnte, und engagierte sich politisch, notwendigerweise im Untergrund, in den Reihen der Sozialistischen Einheitspartei Kataloniens (PSUC – Partit Socialista Unificat de Catalunya).

Zu Beginn der siebziger Jahre erkrankte er an Multipler Sklerose, die seinen Körper schwer angriff. Allmählich beraubte ihn die Krankheit seiner elementarsten Möglichkeiten und fesselte ihn dann für alle Zeiten an einen Rollstuhl. Seltsamerweise wurde seine Poesie, berührt von Staunen, Verzweiflung und auch Qual, je mehr sich seine körperlichen Bewegungen einschränkten, umso schwungvoller, erhabener und universeller, sicherlich ohne die feinsinnigen Wege zu vergessen, die in der einen oder anderen Richtung den Himmel und die Erde zusammenfügen. Nach einiger Verzögerung bewies das Leben, daß die Diktatur vergänglicher war als der himmlischste oder ätherischste Text von ihm. 1978, drei Jahre nach der Wiedererlangung der Demokratie, wurde in Osona eine Semana Popular unter dem bedeutungsvollen Motto „Ara és demà“ (Jetzt ist morgen) gefeiert, bei der Künstler wie Antoni Tàpies und Dichter wie Vicent Andrés Estellés, Pere Quart, Joan Brossa, Joan Vinyoli, Ramon Puyol und Xavier Bru de Sala sowie viele andere Martí i Pol würdigten.

Sein dreibändiges Gesamtwerk – „L’arrel i l’escorça“, „El llarg viatge“, „Amb vidres a la sang“ – ließ ihn nicht nur zu einem der meistgelesenen, sondern auch meistgesungenen katalanischen Dichter werden. Dies geschah dank der Inspiration von Musikern und Sängern wie Maria del Mar Bonet, Ramon Muntaner, Lluís Llach, Celdoni Fonoll, Teresa Redbull und Rafael Subirachs. Heute wird die Poesie von Martí i Pol auf Spanisch, Portugiesisch, Englisch, Flämisch, Slowenisch, Bulgarisch, Russisch und Japanisch gelesen und gesungen. Es war an der Zeit, wie dieses Buch belegt, daß Martí i Pol eine größere Beachtung in der Sprache Goethes findet.

Der Dichter aus Roda de Ter erhielt neben vielen anderen Auszeichnungen folgende Literaturpreise: „Fastenrath“, „de la Crítica“, „Salvador Espriu“, „Ciutat de Barcelona“ (als Dichter und Übersetzer), „Nosside Internacional“, „d’Honor de les Lletres Catalanes“, „Creu de Sant Jordi“, „Medalla de Oro al mérito en las Bellas Artes“, „Nacional de Literatura“ und „Medalla de oro“ der Regierung Kataloniens. 1999 stimmte ein Großteil der katalonischen Gemeinden mit der Vereinigung der Schriftsteller katalanischer Sprache und dem Institut für katalanische Literatur darin überein, ihn bei der Schwedischen Akademie als Nobelpreiskandidaten vorzuschlagen. Aber vielleicht sind es nicht so sehr jene Ehrungen und Auszeichnungen, über die sich der Dichter dankbar erfreute, sondern eher andere, die er inniger und sympathischer fand: daß sein Name zum Namen zahlreicher Straßen, Schulen und Büchereien in etlichen Dörfern und Städten wurde. In diesem Universum bewegen sich, lieben, leiden und kämpfen jene anonymen Wesen, deren Stimmen er in seinem Herzen zu versammeln wußte und in Gedichte verwandelte.

Vielleicht ist es auch deshalb nur ein rein biographisches Detail, daß Miquel Martí i Pol mit 74 Jahren am 11. November 2003 verstarb.

Alberto Szpunberg (Nachwort)


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