Unter Pfirsichblüten eingeschlafen


Gedichte, zweisprachig: Koreanisch - Deutsch

ISBN978-3-927648-23-4

Einband, broschiert
184 Seiten, 1 s/w Foto
15,6 × 15,6 cm
17,50 Eur[D] / 18,00 Eur[A] / 30,00 sFr

Aus dem Koreanischen übersetzt von Kang Seung-Hee und Kai Rohs. Herausgegeben und mit einer Zeichnung von Juana Burghardt.

Edition Delta, Stuttgart 2009

Stimmen

Unter Pfirsichblüten eingeschlafen

Skandalumwitterter Tabubruch ist keine Domäne europäischer Post- und Pop-Feministinnen. Lange vor Charlotte Roches Bestseller "Feuchtgebiete" und dem Roman "Bitterfotze" der Schwedin Maria Sveland veröffentlichte die Koreanerin Kim Sun-Woo drei Lyrikbände, in denen flatterndes Schamhaar den Himmel befeuchtet, Wesen mit großen Hintern ihren Darm entleeren und Frauen fröhlich um die Wette pinkeln. Das hier vorliegende zweite Gedichtbuch der 1970 in Gangneung geborenen Autorin betrachtet die Welt nach Art der Zen-Buddhisten als universale Ganzheit. Im Mittelpunkt stehen Frauenfiguren. Um sie dreht sich alles, wahrgenommen von einem unverkennbar weiblichen lyrischen Ich. Symbole und Metaphern bauen auf offene und verborgene Fantasien von Leserinnen und Leser und sind dennoch eindeutig. Allein die ebenso zarten wie absurden Liebesakt-Varianten bilden ein lyrisches Kamasutra, in dem Grenzüberschreitungen die Regel sind. Dabei wildert die Lyrikerin nicht ausschließlich in erotischem Vokabular. Soziale Befindlichkeiten stellt sie in knappen Gesten so naturalistisch dar, dass sie grausam und grotesk wirken. Rituale, die aus einem längst vergangenen Matriarchat zu kommen scheinen und die sinnliche Assoziationskraft von Silbenkombinationen gehen eine bemerkenswerte Verbindung ein.

Dorothea von Törne
(Literarische Welt, 9. Mai 2009)

 

 

Der weibliche Körper und Aufwachen unter Pfirsichblüten


Frisch zur Leipziger Buchmesse 2009 ist bei der Edition-Delta der sorgfältig gestaltete Gedichtband „Unter Pfirsichblüten eingeschlafen" von KIM Sun-Woo zweisprachig erschienen. Auf den ersten Blick könnte man aufgrund des Titels und pastellfarben hingehauchten Pfirsichblüten auf dem Umschlagsbild verklärte romantische Gedichte asiatischer Anmut erwarten. In der Tat scheint die Dichterin vordergründig die Schönheit der Natur und die Vergänglichkeit des Lebens – die beliebtesten Motive der taoistischen Gedichte Asiens – zu besingen. Doch bei näherem Hinsehen verbergen sich hinter all den schönen Bildern die weibliche Urkraft mit unbändiger sexueller Begierde und auch die Gewalt am Frauenkörper. Das tabuisierte Sekret des weiblichen Körpers bildet bei KIM eines der Grundmotive, wie z.B. in „Mensch aus Wasser": „Vor meinen Tagen / strömt mein Körper Meeresgeruch aus." (S.69: Z.1-2)


Darin wird die vergessene Regenzeremonie in Erinnerung gerufen als „die Geschichte der Urmütter der Mutter". Das Menstruationsblut wird in einem anderen Gedicht „Blühe, Erdöl!" mit dem dickflüssigen schwarzen Öl verglichen. Verdeutlicht wird darin die Gewalt am Frauenkörper, die stets auch mit dem Krieg einhergeht: „Wenn du nur könntest, Mutter, dann laß mich blühen / mit den schwarzen schmierigen Blutstropfen, [...] Wegen dieses Körpers gehen schmutzige Kriege nie zu Ende. / Gier gesellt sich zu Gier. [...] (S.153)


KIM Sun-Woos Schreibart erinnert zunächst an die von KIM Hyesoon, die in den 90er Jahren das sog. weibliche Schreiben - „écriture féminine" der französischen feministischen Poststrukturalistinnen in Südkorea prägte und den weiblichen Körper ins Zentrum ihres Schreibens rückte. (KIM Hyesoon: Die Frau im Wolkenschloß, übersetzt von KIM Young-Ok u. HAN Jung-Hwa, Pendragon, 2001). KIM Sun-Woo griff diese Tradition zwar auf, doch in ihren Gedichten verliert sich der klagende Unterton gegen die Unterdrückung der Frau. Selbstbewußt und unbeschwert wird das weibliche Begehren lyrisch umgesetzt. Genau diese befreiende Leichtigkeit begeistert die koreanische Leserschaft. KIM Sun-Woo ist es sehr wohl gelungen, ihren Traum zu verwirklichen, denn für sie stellen alle künstlerischen Arbeiten einen Akt der Kommunikation dar. Wenn sie zu kommunizieren beginnt, träumt sie von einem Punkt, in dem „ihr eigenes Wort mit dem Wort des Anderen identisch wird."

 

Nataly J.H. Han
(Korea-Verband, Berlin, März 2009)
http://koreaverband.ahkorea.com

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