Schwertgesang
Roman
ISBN 978-3-927648-22-7
Einband, broschiert
196 Seiten
4 Landkarten
19,0 × 15,6 cm
17,50 Eur[D] / 18,00 Eur[A] / 30,00 sFr
Aus dem Koreanischen übersetzt von Heidi Kang und Ahn Sohyun. Herausgegeben und mit einer Zeichnung von Juana Burghardt.
Edition Delta, Stuttgart 2008
Stimmen
Die Buchkritik
Der Roman „Schwertgesang" von Kim Hoon erzählt von zwei großen Seeschlachten zwischen Japan und Korea im 16. Jahrhundert. Zwei Schlachten, die General Yi Sunshin für Korea gewinnen konnte, weshalb er dort bis heute sehr verehrt wird. „Schwertgesang" wurde in Korea ein Bestseller, während das Buch auf Deutsch bei einem kleinen Stuttgarter Verlag erschienen und bislang unentdeckt geblieben ist. Zu Unrecht, urteilt Ludger Lütkehaus, denn „Schwertgesang" ist große Literatur.
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Koreas Retter
Der Krieg und die Stille - Kim Hoons historischer Roman «Schwertgesang»
Der Roman «Schwertgesang» des 1948 in Seoul geborenen Kim Hoon erzählt von den Kämpfen des Grossadmirals Yi Sunshin gegen eine japanische Invasionsflotte im letzten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts. Es geht - auch - um die schwierige Geschichte zweier Länder. Korea ist wiederholt durch eine aggressive japanische Expansionspolitik traumatisiert worden. Die Okkupation von 1910 bis 1945 ist nicht vergessen. Das zeigen noch die heutigen Debatten über das Schicksal Hunderttausender koreanischer Zwangsarbeiter und den Missbrauch zahlloser zwangsprostituierter «Trost»-Frauen in den japanischen Militärbordellen des Pazifikkrieges.
Aber die Traumatisierungsgeschichte reicht weiter zurück. Dem koreanischen Langzeitgedächtnis ist die blutige Doppelinvasion der Jahre 1592 und 1597 eingebrannt, die mit dem japanischen Shogun Toyotomi Hideyoshi verbunden ist. Seine Ideologie versprach, «die militärischen Kräfte einzusetzen, um aus dem Chaos eine friedliche Welt zu machen». Von China, dem zweiten Grossreich der Region, wurde der koreanische Vasallenstaat, den ein unfähiger König regierte, nur halbherzig unterstützt.
Genialer Stratege
In dieser scheinbar aussichtslosen Situation fand Korea in Yi Sunshin einen genialen Strategen, der dem übermächtigen Gegner eine Reihe von Niederlagen zufügte. In den beiden Seeschlachten von Myongnyang 1597 und Noryang 1598, von denen der Roman eindrucksvoll erzählt, zwang Yi Sunshin die japanischen Flotten endgültig zum Rückzug. Er gilt als Retter Koreas. Eine nationalistische Propaganda hat ihn gerne für ihre Zwecke missbraucht.
Bei Kim Hoon ist er indessen eine komplexe humane Gestalt. Erzählt wird in der Ich-Form unter Verwendung der überlieferten Kriegstagebücher Yi Sunshins von seinen beiden letzten Lebensjahren vor seinem Tod 1598. In Rückblenden werden die voraufgegangenen Jahre vergegenwärtigt, in denen der wankelmütige König seinen siegreichen Grossadmiral foltern lässt, zum Tode verurteilt und wieder begnadigt. Auf nichts ist in dieser vergänglichen Welt Verlass. Umso wichtiger ist es, sich in den buddhistischen Tugenden zu üben; Yi Sunshin sagt es so: «Ich wollte die Fähigkeit entwickeln, mit dem leben zu können, was nicht in meiner Macht lag.»
Listenreichtum
Der geschichtliche Hintergrund des 20. Jahrhunderts mit dem Pazifikkrieg bleibt stets präsent - etwa, wenn die Tragödie der koreanischen «Trost»-Frauen in den mörderischen Vergewaltigungsorgien japanischer Militärs anklingt oder zwangsrekrutierte Koreaner als lebende Schutzschilde missbraucht werden. Im Mittelpunkt aber steht die überragende Gestalt Yi Sunshins, die den Rahmen einer ebenso grausam wie spannend erzählten Kriegsgeschichte weit überschreitet. Schon sein Kriegsstil zeichnet sich durch einen strategischen Listenreichtum aus, der vor allem einen Verbündeten zu nutzen versteht: die Natur, die Gezeiten und das in allem Wechsel dasselbe bleibende Meer. Faszinierend die Beschreibung der Seeschlacht von Myongnyang, in der Yi Sunshins Genie die Strömung wie die Gegenströmung der Tide souverän zu nutzen weiss: sinnfälliger Ausdruck jenes komplementären Verhältnisses der Kräfte, das in der Yin-Yang-Lehre des Taoismus sein Symbol gefunden hat.
Das Feng-Shui des Todes
Yi Sunshin wusste sich und seine Schiffe überdies zu wappnen: Das erste gepanzerte Kriegsschiff der Welt, das «Schildkrötenschiff», wurde unter ihm entwickelt. Aber dieses Motiv, das für das militante koreanische Selbstbewusstsein von heute eine grosse Rolle spielt, wird von Kim Hoon eher zurückgedrängt. Der Held selber ist überdies alles andere als ein Charakterpanzer. Dafür hat eine berührende Liebesgeschichte in diesem Roman Platz. Die schrecklichen Seiten des Krieges, die Leiden der Zivilbevölkerung werden ungeschönt dargestellt. Mit der Schwertmystik der Samurai verbindet Yi allerdings eine Ethik, die keinen Unterschied zwischen Gebeten und Exekutionen, Leben und Tod macht. Von Anfang an ist Yi auf der Suche nach dem Ort, an dem er sterben kann, um diese sinnlose Welt zu verlassen. Das Feng-Shui seines Todes wird ihm am Ende zuteil. Es ist ein kriegerischer Tod, aber ein solcher, der in die Stille führt. Ein bemerkenswertes, ein in seiner Bildkraft, seiner lakonischen Prosa überaus poetisches Buch.
Ludger Lütkehaus (Neue Zürcher Zeitung - Feuilleton, 9. Juli 2009)
Rezensionsnotiz
In Bann gezogen, berührt und beeindruckt zeigt sich Ludger Lütkehaus von Kim Hoons historischem Roman "Schwertgesang" über den legendären koreanischen Großadmiral Yi Sunshin, der in zwei Seeschlachten Ende des 16. Jahrhunderts eine japanische Übermacht besiegte. Der koreanische Autor zeichnet den als "Retter Koreas" bis heute gern in Dienst genommenen Kriegshelden als vielschichtige Figur mit sehr menschlichen Zügen und lässt ihn im Rückblick über die Seeschlachten, aber auch über eine bewegende Liebesgeschichte und seine Behandlung durch den König - er wurde gefoltert, zum Tod verurteilt und später begnadigt - rekapitulieren. Besonders die Schilderungen der Seeschlachten fand Lütkehaus ungeheuer spannend, und gefesselt haben ihn auch die Kriegslisten des Großadmirals, der Gezeiten und die Eigenschaften des Meeres maßgeblich für einen Sieg zu nutzen verstand. Auch die Grausamkeiten der Kriegswirklichkeit spart der Autor nicht aus, und hier klingt zwischen den Zeilen immer wieder das Trauma des Pazifikkrieges im 20. Jahrhundert an, erklärt der Rezensent, der Kim Hoon vor allem für seine machtvollen Bilder und seine poetische Erzählweise bewundert.
Perlentaucher - www.perlentaucher.de
Der Roman „Schwertgesang"
Ein bemerkenswertes, ein in seiner Bildkraft, seiner lakonischen Prosa überaus poetisches Buch: große Literatur.
Ludger Lütkehaus (SWR 2 - Buchkritik, 24. Juni 2009)
Kriegslandschaft
Kim Hoons "Schwertgesang" bewegt sich zwischen Welthass und Schönheit
Es geht um Kopf und Kragen, so heißt es umgangssprachlich. In jenem Krieg, von dem dieser Roman handelt, ist die Metapher wörtlich zu nehmen: Köpfe sind hier eine Währung. Sie werden nach der Schlacht gesammelt, konserviert, als Beweis für Erfolge dem König geschickt und dienen gegebenenfalls als karriereförderndes Tauschobjekt. Die Gegenseite begnügt sich mit Nasen; und dass man Köpfen wie Nasen nicht ansieht, auf welcher Seite ihre Besitzer einst kämpften, ist aus Sicht der Befehlshaber sogar noch ein Vorteil.
Die Rede ist vom japanisch-koreanischen Krieg der Jahre 1592 bis 1598. Tatsächlich führte der japanische Versuch, Korea zu erobern, zu einer Auseinandersetzung von großer Brutalität und ist bis heute im Kollektivgedächtnis Koreas verankert - nicht zuletzt wegen der späteren japanischen Kolonialherrschaft, die die Erfahrung zu wiederholen schien. Brach der japanische Kolonialismus 1945 wegen der Niederlage gegen die USA zusammen, so hatte Korea dreieinhalb Jahrhunderte zuvor eigene militärische Erfolge zu verzeichnen. So hat das nationale Gedächtnis bis heute die "Schildkrötenboote" bewahrt - flache, gepanzerte Schlachtschiffe, mit denen der Admiral Yi Sunshin den Angreifern empfindliche Niederlagen zufügte.
Kim Hoon erzählt über das letzte Kriegsjahr aus der Perspektive dieses Admirals. Das in Korea 2001 erschienene und dort überaus erfolgreiche Buch hebt indessen nicht wie eine nationale Selbstfeier an: Von Beginn an erscheint der Kampf als Angelegenheit von trauriger Brutalität. Yi kehrt von der Folter auf seine Kommandostelle zurück; von Gegnern verleumdet, war er in die Hauptstadt verschleppt, dort erbarmungslos geprügelt und erst rehabilitiert worden, als die vom König befohlene und von ihm verweigerte Angriffsstrategie zum Verlust der Flotte geführt hatte.
Die äußere Handlung besteht in der Schilderung, wie Yi aus 120 hungernden Soldaten und den wenigen Schiffen, die die Niederlage überstanden haben, eine schlagkräftige Streitmacht formt, die nach einigen kleineren Gefechten die feindliche Flotte vernichtend zu schlagen vermag. In dieser Schlacht kommt auch Yi ums Leben; doch bedeutet dies für ihn, einen Soldaten, den ersehnten "natürlichen Tod", und damit das Gegenteil des politischen Tods, von den inneren Feinden verleumdet auf der königlichen Folter zu sterben.
Dieses äußere Geschehen vermag für einen westlichen Leser bedingt spannend zu sein - in Korea kennt freilich jedes Schulkind den Ausgang. Das Wesentliche dieses Buchs liegt auch auf einer anderen Ebene. An die Stelle eines glänzenden nationalen Befreiungskampfs tritt individueller Heroismus. Schon die ersten Seiten machen klar, dass es sich um einen Krieg handelt, der von beiden Parteien mit schmutzigen Mitteln geführt wird. Das Überleben wird nicht nur durch den ausländischen Feind bedroht, sondern auch durch innere Gegner; ein schwacher König gibt dem Admiral zuweilen Vollmachten, hört aber gleichzeitig auch auf zögerliche Berater. Ob der militärisch erfolgreiche Offizier, der fern von der Hauptstadt nur ungenügend mit der politischen Führung zu kommunizieren vermag, im Überlebensfalle geehrt oder hingerichtet würde, bleibt bis zum Ende ungewiss.
Der Erzähler kämpft in völliger Isolation: Seine Geliebte, mit der nur sprachloser Sex möglich ist, kommt als Vergewaltigungsopfer der Japaner ums Leben und sein Lieblingssohn wird als Rache für seine militärischen Erfolge von den Besatzern getötet. Die Politik stört die militärischen Planungen - zumal die chinesischen Verbündeten, denen sein König folgt und die merklich eigene strategische Interessen verfolgen, eher eine Gefahr als eine Stärkung darstellen.
Der Autor hat denn auch bei Lesungen in Deutschland die Schrecken des Krieges betont, und dass er ein Buch voll Hass auf die Welt geschrieben habe. Dem widersprechen freilich die beiden Kraftquellen, die er Yi lässt. Da ist zum einen die Landschaft. Die Handlung spielt in dem Gewirr von Inseln, die der koreanischen Südküste vorgelagert sind. Die schmalen Meeresarme mit ihren wechselnden Strömungen bilden nicht nur einen idealen Aktionsraum für ortskundige Verteidiger. Mit der Abfolge von Tag und Nacht, von Sonnenauf- und -untergängen, von Nebel und klarem Licht evoziert Kim Hoon eine poetische Kriegslandschaft, die indessen mit Heimatverbundenheit nichts zu schaffen hat. Sein Held Yi, dem Wasser zunächst ein fremdes Element war, hat sie sich handelnd erobert, und seine Stärke liegt auch darin, dass ihn, bei aller Trauer über die Zerstörungen des Krieges, Sinneswahrnehmungen an die Welt binden. Der Anblick der stets neu beleuchteten See wie auch die Schilderung von Gerüchen nehmen in diesem Kriegsbuch viel mehr Raum ein als die Schlachtbeschreibungen.
Freilich bleibt der sinnlich erlebte Raum auch stets Aktionsraum. Die Inseln müssen Yi mit den Menschen und dem Material versorgen, mit denen er nach den Misserfolgen seiner Vorgänger eine neue Flotte aufbaut. Die See ist stets gefährlich - nicht nur, weil die Strömungen, die die feindlichen Schiffe vernichten sollen, bei einem einzigen falschen Manöver auch die eigenen bedrohen, sondern auch, weil der zunächst übermächtige Feind stets auftauchen kann und in der Vor-Satellitenzeit jede militärische Bewegung ein Informationsproblem aufwirft.
Die Landschaft, so schön sie wirkt, ist auch eine des Todes. Aus Yis Sicht geht es vor allem um den eigenen Tod - in der Entscheidungsschlacht gegen den Feind zu sterben, scheint ihm Erfüllung. Dieser Tod hat für ihn nichts mit nationaler Erfüllung zu tun; schon früh wird ihm beim Anblick im Wasser treibender Leichen klar, dass im Krieg jeder seinen Tod allein stirbt. Es geht ihm auch nicht um einen Opfergang, um sein Volk zu erlösen. Vielmehr scheint ein Tod, wie er ihn sich wünscht und am Ende auch bekommt, dem Lauf der Dinge zu entsprechen, "im Grunde ein natürlicher Tod und darum nicht sonderlich beklagenswert, wie auch niemand das Fallen der Blätter bei Wind und Wetter beklagt".
Yi, der sich als Offizier bis zum Ende vor allem als "Feind meiner Feinde" von sich spricht und mit großer Energie nichts als die Vernichtung der Japaner betreibt, ist doch gleichzeitig in seiner Weltsicht äußerst passiv. Indem er den Ort der letzten Seeschlacht sucht, sucht er bewusst gleichzeitig den Ort seines Todes - auch die Landschaft gerät in das Kräftefeld von Aktivität und Passivität. Nicht zuletzt trägt die Sprache des Romans, die außerordentlich intensiv und gleichzeitig karg das schreckliche Gemetzel in der schönen Inselwelt umreißt, dazu bei, die Einheit von Kampfeswillen und resignativer Ergebung zu vermitteln.
Das Lob des Kampfes bis zum eigenen Tod, die Verschränkung von Aktivismus und heroischem Aushalten könnten an die Kriegsbücher von Ernst Jünger erinnern. Doch zeigt ein genauerer Vergleich den Unterschied: Feierte der frühe Jünger eine junge, kämpferische Mannschaft, so schildert Kim einen alten, im Kern isolierten Mann. Versuchte Jünger panisch, mit exzessiver Vergleichssucht im blutigen Geschehen einen geschichtlichen Sinn herbeizuzwingen, so lässt Kim seinen Admiral Yi im natürlichen Zyklus des individuellen menschlichen Lebens Sicherheit finden.
Gemeinsam ist den beiden Autoren jedoch, dass sie den Krieg existentiell fassen, nicht instrumentell. Als Yi seine letzte Schlacht schlägt und den Tod findet, sind die Japaner schon dabei, aus Korea abzuziehen. Politisch hat dieser Kampf keinen Sinn mehr, und strategisch riskiert Yi mit der koreanischen Flotte noch einmal die Existenz des Landes, während den Japanern auch im Falle einer Niederlage ein sicherer Rückzugsraum zur Verfügung steht. Von seinem König und von den inzwischen als merkwürdig abwartende Verbündete eingetroffenen Chinesen wird Yi denn auch gemahnt, als Politiker statt als Militär zu denken und einen Endkampf zu vermeiden.
Allzu sehr werden dieser Kampf und Yis Tod metaphorisch überhöht, als dass man hier eine Distanznahme des Autors von seinem Helden vermuten sollte. Und doch wird die heroische Romanwelt an dieser Stelle brüchig und werden die Gefahren einer Hass-Logik, wie sie Yi für sich akzeptiert und Kim Hoon sie als negatives Weltgesetz annimmt, für einen Moment sichtbar. Von Triumph kann ohnehin keine Rede sein: Hinreichend deutlich wurde zuvor, dass die koreanische Monarchie eine blutige Tyrannei war und selbst das Ende des Krieges kein Ende des Mordens bedeutete.
So bleibt, Yis Vollendung im "natürlichen Tod" entgegen, der Grundzug der Trauer, der den Roman durchzieht. Das hebt den dicht und konzentriert geschriebenen Roman von pazifistischer Literatur einerseits, von der Kriegsverherrlichung andererseits ab und sichert ihm einen ganz eigenen Platz in der Literatur über den Krieg.
Kai Köhler
(literaturkritik.de - Rezensionsforum, Mai/Juni 2009)
Kim Hoon: Schwertgesang
Die Figur Yi Sunshin als Retter Koreas und die Schildkrötenschiffe als Zeichen koreanischer Überlegenheit wurden besonders in den 1970er Jahren unter Präsident Park Chung Hee benutzt für pathetische Darstellungen und eine nationalistische Betrachtungsweise der koreanischen Geschichte. Die Statue von Yi Sunshin in der Seouler Innenstadt auf dem Sejong Boulevard vor dem Königspalast erinnert an diese Zeit, hat jedoch mitten in der modernen Skyline der Kwanghwamun-Kreuzung Glanz und Größe verloren.
Kim Hoon (geboren 1948) studierte Anglistik an der Korea-Universität und ist als Journalist und Chefredakteur bei großen koreanischen Zeitungen (Hankook Ilbo, Sisa Journal, Kookmin Ilbo, Hankyoreh) in den Bereichen Kultur und Gesellschaft tätig gewesen. In den letzten 10 Jahren wurde er als Autor von Romanen und Kurzgeschichten bekannt und mit mehreren sehr renommierten Literaturpreisen ausgezeichnet.
In Schwertgesang erzählt Kim Hoon die letzten beiden Lebensjahre von Yi Sunshin bis zu dessen Tod mitten im siegreichen Seegefecht 1598 aus der Perspektive des Protagonisten. Teilweise hat Kim Hoon sich dabei auf die überlieferten Kriegstagebücher von Yi Sunshin gestützt, den Nanjung Ilgi (‚Tagebuchaufzeichnungen inmitten schwerer Zeiten').
Rückblenden erzählen, wie Yi Sunshin nach seinen militärischen Erfolgen gegen die erste japanische Invasion im Jahr 1592 am Hof in Ungnade fällt, zum Tode verurteilt und dann vom König wieder begnadigt wird, um sein Land und seinen König an der Südküste siegreich zu verteidigen. Die Angst, wieder des Hochverrats verdächtigt zu werden, sitzt ihm ständig im Nacken, ebenso wie die Last seiner Aufgabe.
„Sollte ich jedoch durch das Schwert des Königs sterben, würden die Feinde zum König vordringen. Sollten mich die Feinde töten, würden sie ebenfalls zu ihm vordringen. Zwischen dem Schwert des Feindes und dem des Königs lag das unendlich weite Meer, und für mich gab es keinen Ort." (S. 66)
Kim Hoon schafft es mit seiner konsequenten Ich-Perspektive, dem Leser einen wirklich menschlichen Yi Sunshin vorzustellen. Sein Yi Sunshin gerät in innere Konflikte, leidet unter den Unsinnigkeiten der Politik, quält sich mit seiner Verantwortung als Kriegsführer, der für seine Leute verantwortlich ist, und sorgt sich um seine Familie. Sein Yi Sunshin ist aufrichtig, mitfühlend, verantwortungsbewusst, listig und mutig, aber auch zögerlich, verzweifelt und rachsüchtig. Und ein Mensch, der eins wird mit seiner Aufgabe.
„Kapitän, Ruderer und Schiff bilden einen einzigen Körper wie der Fisch und der menschliche Körper. Das Schiff kommt voran, indem es ins Wasser dringt und das Wasser verdrängt. Aber nur wenn das Wasser wieder nachdrängt, geht es vorwärts. Eine Schlacht ist wie der Widerstand des Körpers gegen die Welt. Nur wenn der Körper eins wird mit dem Wasser, kann er vorankommen oder zurückweichen, sich drehen, strecken oder zusammenziehen. Nur wenn der Körper eins wird mit dem Schwert, kann es zustechen und zerschlagen. Ein Schiff, ein menschlicher Körper, ein Schwert und ein Fisch unterscheiden sich nicht." (S. 73)
Von der ersten Seite an wird der Leser gefangen genommen, mitgenommen an die Kriegsschauplätze an der Südküste Koreas, in einen Kosmos aus Naturgewalten, Seesoldaten, Bauern und Fischern, mitten hinein in die menschlichen Tragödien, die Krieg, Vertreibung, Hunger und Krankheit mit sich bringen.
„Der Lauch auf den Feldern der Festung Tangpojin ist aufgekeimt. Die Bauern fielen der Seuche zum Opfer und wurden beerdigt. Ein Offizier aus Tangpojin vergewaltigte die Frau eines Adeligen, die sich daraufhin das Leben nahm. Eine Schamanin besänftigte ihre Seele mit einem Kut. [...] Das Hafenbett von Pangpojin war verschlammt. Zwei Schiffe steckten fest. Die Bewohner trugen Kleider von gefallenen feindlichen Soldaten. [...] Die Soldaten der Landstreitkräfte hatten auf Geheiß des Generalstabs zehn Tage lang Hampyong durchkämmt und fünfzig junge Rekruten für die Marine verpflichtet. Das Gästehaus von Hampyong war eingestürzt. Der Bürgermeister betrank sich jeden Abend in Gesellschaft einer anderen Kisaeng." (S. 60)
Kim Hoon lässt seinen Yi Sunshin über alles um ihn herum berichten, alle Veränderungen scheinen gleich wichtig. Die Lage am Königshof in Seoul ist genauso bedrohlich wie die Flotte der Feinde, deren Bewegungen er oft durch den Nebel, das Meer oder die Brandung am ganzen Körper spürt.
„Als ich in die Gesichter der weinenden Gefangenen blickte, wurde mir bewusst, dass die Einzigartigkeit der Feinde mein wirklicher Gegner war." (S. 145)
Die auffallend kurzen Sätze, in denen Kim Hoon schreibt, geben beim Lesen das Tempo an wie die Ruderer auf den Kriegsschiffen in der Welt von Yi Sunshin. Die Zeiten zwischen den Schlachten haben einen ruhigen Rhythmus, der sofort beschleunigt, wenn der Feind näher kommt. Geht es in die Schlacht, peitscht ein gewaltiger Rhythmus den Leser durch die Zeilen.
Dieser Schreibstil ist sehr besonders; einfach wie ein Krieger, kühl wie ein Schwert und doch beherrscht - eine weitere Ebene, mit der Kim Hoon das Leben von Yi Sunshin darstellt. Die atmosphärische Dichte der Beschreibungen lässt großes Kopfkino entstehen, ebenso wie die Gerüche von Nebel, Meer, Feldern, Unterkünften, bis hin zu Angstschweiß und Leichenteilen.
„Die verschiedenen Gesichtsausdrücke der Köpfe blieben mir noch lange in Erinnerung. Solche Bilder sind ein Feind, gegen den das Schwert machtlos ist." (S. 143)
Am Ende des Romans stirbt Yi Sunshin, und genauso abrupt wird auch der Leser aus der Welt der koreanischen Südküste am Ende der japanischen Invasion herausgerissen.
Interessanterweise erwähnt Kim Hoon die legendären Schildkrötenschiffe nur zwei Mal ganz nebenbei. Sein Yi Sunshin möchte sein Land verteidigen und seinen eigenen Kampf gewinnen. Er lässt sich weder vom chinesischen Admiral Chen Lien politisch missbrauchen, noch vom koreanischen König ins Kriegshandwerk pfuschen.
„Das Jammern aus der Ferne ist sein ganzer Beitrag zum Krieg." (S. 131)
Dieser Yi Sunshin ist unabhängig und eigenwillig, von nationalistischem Ballast befreit.
Der Originalroman K'ar-ŭi norae (‚Lied des Schwertes') erschien 2001 und entwickelte sich in Korea schnell zu einem äußerst erfolgreichen Bestseller, der im gleichen Jahr mit dem Tongin Literaturpreis ausgezeichnet wurde.
K'ar-ŭi norae ist nicht der erste moderne historische Roman, der sich mit der Figur des Yi Sunshin beschäftigt. 1998 erschien Pulmyŏng (‚Unsterblichkeit') von Kim Tak-Whan, ein Roman in vier Bänden, der allerdings etwas nachlässig mit historischen Fakten umgeht und dem Admiral Wŏn Kyun eine größere historische Bedeutung zuschreibt als Admiral Yi Sunshin. Kim Tak-Whan hat Pulmyŏng dann 2004 umgearbeitet zu einem achtbändigen roman-fleuve mit dem Titel Pulmyŏng-ŭi Yi Sunshin (‚Der unsterbliche Yi Sunshin'), der zusammen mit K'ar-ŭi norae die literarische Vorlage abgab für die TV-Saga Pulmyŏng-ŭi Yi Sunshin (‚Immortal Admiral Yi Sunshin'), die in 104 Teilen von September 2004 bis August 2005 zur besten Sendezeit auf KBS lief.
Pulmyŏng von Kim Tak-Whan und K'ar-ŭi norae von Kim Hoon prägten in Korea ein zeitgemäßes, menschliches Bild von Yi Sunshin, zu einer Zeit, als es nach der Asien-Krise 1997/98 in der koreanischen Gesellschaft ein Bedürfnis nach modernen Helden gab.
Heidi Kang und Ahn Sohyun, die seit Jahren und mit großem Erfolg gemeinsam koreanische Literatur übersetzen, haben Schwertgesang ins Deutsche übertragen. Die Übersetzung ist phantastisch. Beim Lesen hat man nicht das Gefühl, eine Übersetzung in der Hand zu halten. K'ar-ŭi norae ist ein großer Roman und Schwertgesang eine würdige Übersetzung.
Dorothea Hoppmann
(Hefte für ostasiatische Literatur, Nr. 45, Frühjahr 2009)
Ein halber Held
Der Historienroman und Bestseller (Original 2001) des 1948 in Korea geborenen Kim Hoon spielt im 16. Jahrhundert zur Zeit der Machtkämpfe rivalisierender Fraktionen am koreanischen Hof und der Bedrohung durch ausländische Invasionen. Im Zentrum steht der koreanische Nationalheld und Großadmiral Yi Sunshin. Im langen Abwehrkampf Koreas (1592-1598) gegen die von Toyotomi Hideyoshi initiierten Eroberungsfeldzüge der Japaner, die über Korea das chinesische Ming-Reich angreifen wollten, setzte sich Yis zahlenmäßig unterlegene Flotte in 23 Schlachten erfolgreich zur Wehr. Nachdem die bei Pusan gelandeten Truppen binnen knapp drei Wochen Seoul eroberten und der König nach Uiju geflohen war, verteidigte der meist auf sich gestellte General die für den Nachschub der Japaner wichtigen südlichen Gewässer. In konsequenter Dekonstruktion des Heldenmythos - Kim schreibt unter Rekurs auf Yis erhaltene Tagebücher aus der Perspektive des Protagonisten - erscheint Koreas Kulturheld als ein von Zweifeln geplagter Mensch. Die Brutalität militärischer Operationen steht kontrapunktisch zur Romantik der maritimen Meditationen, wobei das Naturschöne über die Kriegsgewalt obsiegt. Gerüche und Töne wie die Klangwelt der Klage, versinnbildlicht in der Metapher des Schwertgesangs, spielen eine wichtige Rolle. Das Buch überzeugt weniger in opulenten Kampfszenen als in Momenten des Innehaltens, wenn die Individualtät der Trauer den kollektiven Wahnsinn des Krieges durchbricht.
(Frankfurter Allgemeine Zeitung - Feuilleton, 15. Dezember 2008, Nr. 293 /S.34, FAZ.NET)
Wie der Krieg nach innen geht
Wer mit Siebenmeilenstiefeln ins Morgen stürmt, kann leicht das Gestern vergessen. Und für die Vergangenheit waren schon immer die Schriftsteller zuständig. Kim Hoon sitzt im Café eines Hotels, starrt durch die Panoramascheibe auf den erstaunlich gelassenen Morgenverkehr ohne ihn zu sehen und sagt: "Wir haben viel geschaffen, dabei aber viel Schuld auf uns geladen. Wir haben die Arbeiter unterdrückt, unsere Gegner getötet und eine Militärdiktatur errichtet. Dies ist die Landschaft unserer Stadt." Hoon wurde 1948 geboren. Als er Kind war, gab es in der vom Korea-Krieg zerstörten Stadt weder Autos noch Hochhäuser noch etwas zu Essen. Anfangs hat auch er am Projekt der großen Veränderung mitgearbeitet, zumindest hat er es zwölf Jahre lang als Journalist begleitet, bis es ihm immer schwerer fiel "zu bestimmen, was Realität ist". Da begann er, Romane zu schreiben.
Sein Bestseller "Schwertgesang" handelt vom Leben des General Li, einem Helden im koreanisch-japanischen Krieg im 16. Jahrhundert, und im Gewand des historischen Romans hat Hoon die noch immer virulente Frage behandelt, wie der Krieg von Außen ins Innere einer Figur wandert. Das Buch wurde verfilmt und vom Präsidenten Roo Moo-hyun empfohlen, was Kim Hoon eher unangenehm ist.
Vom Alter her gehört er zur mittleren Generation der Nachkriegsautoren, die sich mit der Militärdiktatur und der Demokratiebewegung der Achtzigerjahre auseinander gesetzt hat, aber wenn man mit ihm spricht, scheint der Bruderkrieg präsenter. Erst vor wenigen Monaten war er auf einem Schriftstellertreffen in Nordkorea, eine groteske, traurige Veranstaltung: die Autoren aus dem Norden waren vom Staat bezahlte Funktionärsdichter, die Schriftsteller aus dem Süden mussten ihre Bücher an der Grenze abgeben, so dass man sich nicht viel zu sagen hatte. "Jeder hat für die Wiedervereinigung zu sein, aber kein Mensch weiß, wie sie von statten gehen soll. Es waren nicht die Russen oder Amerikaner, wir haben uns gegenseitig umgebracht, hunderttausendfach. Was da noch hochkäme, kann man gar nicht absehen."
(Berliner Zeitung, 15. Oktober 2005)

