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Blindenmond - Luna de ciegos

Gedichte, zweisprachig: Spanisch - Deutsch

ISBN 978-3-927648-05-0

Einband, broschiert
151 Seiten
7 s/w Autorenfotos
15,6 × 15,6 cm
17,50 Eur[D] / 18,00 Eur[A] / 25,00 sFr

Werkauswahl - Antología personal (1973-2005). Mit einer Zeichnung von Juana Burghardt. Aus dem kolumbianischen Spanisch von Juana und Tobias Burghardt. Fotoessay von Enrique Hernández-D'Jesús. Nachwort von Tobias Burghardt

Edition Delta, Stuttgart 2007

Stimmen

Neue Lyrik aus Lateinamerika

«Es ist gefährlich, ohne Peitsche in den Käfig der Erinnerungen zu gehen: sie beissen», hat der italienische Dichter Gesualdo Bufalino einmal geschrieben. Das Gedächtnis scheint zwar die ganze Vergangenheit zu enthalten. Tatsächlich ist es aber alles andere als verlässlich, es schleift sich seine Bilder zurecht, passt sie den Bedürfnissen der eigenen Biografie an, den Emotionen und Gedanken, Erfahrungen und Wünschen. Und in der Rückschau ordnet es vielleicht völlig unterschiedliche Bilder zu einer Ganzheit an, Bilder, die verschiedenen Zeiträumen und Orten entstammen können. Die Dichter wissen das von jeher. In Lateinamerika gehören Vergänglichkeit und Träume, Gedächtnis und Tod sogar zu den grossen Themen des Schreibens. Umfächelt von seltsamen Sprachen – die Kehrseite der Erinnerung scheint das Vergessen zu sein. Nietzsche hat die Weltwahrnehmung jener Wesen, die ganz im Augenblick aufgehen, einmal als den Zustand gemütlich grasender Kühe beschrieben.

Nico Bleutge
(Neue Zürcher Zeitung, 12. Juni 2009)

 

Rezensionsnotiz

"Vielleicht sind die Gedichte nur / Botschaften, die ein Schiffbrüchiger gesendet hat, / Flaschen mit dürftig aufgeschriebenen Rufen, / Die womöglich vom Meer der Stille / an die Strände des Vergessens treiben." Immer wieder drehen sich Juan Manuel Rocas Gedichte um das Vergessen und um das Schweigen, vor allem aber: um die Zeit. Dabei interessiert den 1946 in Medellin geborenen Dichter weniger die Vorstellung einer gleichmäßig verstreichenden Zeit, sondern ihr subjektives Erleben, der intensive Augenblick. Eine Art innerer Zeit, die Erlebnisse manchmal erst Jahre später entfaltet oder wie Filmszenen kurzschließt.

Zentrales Thema in "Blindenmond" ist die Zeit, und der Autor spürt vor allem ihrem subjektiven Vergehen nach, wie der Rezensent wissen lässt. Das lineare Ablaufen der Zeit sei deshalb auch in vielen Gedichten des Bandes gegen Traum- und Schwebezustände aufgehoben, stellt Bleutge fest, der die "haikuartige Verdichtung" so mancher Texte anerkennend hervorhebt.

Perlentaucher - www.perlentaucher.de

 


Buchhinweis

Die Zusammenstellung enthält eine Auswahl aus den zahlreichen Gedichtbänden, die der Autor seit 1973 veröffentlicht hat. In deutscher Übersetzung lagen bisher nur einige Proben seines Könnens in Zeitungen und einer Zeitschrift vor. Umso wertvoller die vorliegende Sammlung, die uns deutschsprachige Leserinnen und Leser nun mit einem Querschnitt seines Werks bekannt macht - wie schon häufig bei Dichtern aus Lateinamerika, kenntnisreich eingeführt von Tobias Burghardt. Einziger Wermutstropen in dieser schönen Ausgabe: es fehlen die Quellenangaben. Statt einer Rezension mögen die hier zitierten Zeilen aus zwei Gedichten neugierig machen und zum Weiterlesen anregen; aus „Blindenbibliothek":

„Tief versunken, an ihren Mahogoni-Tischen, / Durchwandern einige Blinde, wie ein Klavier, / Die Bücher, weiße Bücher, die Braille-Blumen / Mit fernem Duft beschreiben, / ... / Und eine entfesselte Wörterschar dringt in die Hände / Und macht eine sanfte Reise bis ins Gehör. / ... / Auf dem Rückweg vom Erstaunen / Zittern noch die Wörter in ihren gedächnisreichen Fingern."

Und aus dem „Monolog des Taugenichts"):

„Die Großmutter sagte mir: / Versuche nicht, Knoten ins Wasser zu binden, / Schreibe nicht das Wort Ewigkeit mit Schnee. / ... / Aber ich tat es weiterhin. Im Verborgenen tat ich es weiterhin / Und hielt untauglich Rituale ab, / Nimmermehrmonde, Niemalshöfe. / Nicht umsonst fand ich, was manche das Gedicht nennen."


Klaus Küpper
(Bücher zu Lateinamerika)

 

Das aktuelle Lyrikbuch

"Vielleicht sind die Gedichte nur / Botschaften, die ein Schiffbrüchiger gesendet hat, / Flaschen mit dürftig aufgeschriebenen Rufen, / Die womöglich vom Meer der Stille / an die Strände des Vergessens treiben." Immer wieder drehen sich Juan Manuel Rocas Gedichte um das Vergessen und um das Schweigen, vor allem aber: um die Zeit. Dabei interessiert den 1946 in Medellin geborenen Dichter weniger die Vorstellung einer gleichmäßig verstreichenden Zeit, sondern ihr subjektives Erleben, der intensive Augenblick. Eine Art innerer Zeit, die Erlebnisse manchmal erst Jahre später entfaltet oder wie Filmszenen kurzschließt: "Nicht alle erleben die gleiche Stunde, / Den gleichen Fortgang. / Die alte Frau, die heute ihre Uhr / In meiner Werkstatt ließ, der Flieger, der die Zeit / Im Logbuch seiner Flüge mißt." Vielleicht deshalb sprechen so viele der Gedichte auch von Träumen und Schwebezuständen, Momenten, da das Gesetz der linearen Zeit aufgehoben scheint. Und vielleicht deshalb finden sich oft haikuartige Verdichtungen in den Versen: "Ich sehe kleine Monde, kleine Steine, / Die den Flug / Eines Kolibris in die Stadt schneiden." Als wäre die Zeit ein hauchzartes Wesen der Nacht, "ein Gespenst, das auf weißer Stute galoppiert".

 

Nico Bleutge
(Stuttgarter Zeitung, 12. September 2008)

 

 

Der Buchapplaus

Aus der Edition Delta sind zwei Bücher anzuzeigen. Beide haben sie den Atem von Weltpoesie. Blindenmond von Juan Manuel Roca, einem in Medellín geborenen Dichter, und Himmelsnetz von Park Hijin (siehe dort). Juan Manuel Roca ist ganz anders, er ist eher Boheme-Dichter. Ein sinnenfroher 'Luftreiter', der sich von seinen Wortfindungen durch die Gärten und Straßen Bogotás treiben läßt. Sehr schön das Lied der Ferne etwa: 'Flieg, flieg und bring deine Hände ein/ Um über die Nacht zu sprechen'... ganz einfach; aber doch einzig. Wie noch nie gesagt und dabei jedem geläufig. Das ist die Kunst der Dichter, dass man beim Lesen sagt, ja, ja, das stimmt. Genau, Wort für Wort, Tobias und Juana Burghardt haben diese Auswahl getroffen und in ein schönes klanglich dichtes Deutsch übersetzt. Ein Lob den beiden, dass sie mit ihrer unermüdlichen Arbeit Fährleute der Weltpoesie sind und uns Hiesigen den Kopf frei machen für das Neue und Ungeahnte großer Dichtung.

 

Matthias Ulrich
(NOXIANA - Nr. 6, Winter 2007)

 


Edición en alemán de poesías de Juan M. Roca

Luna de ciegos es una de las obras más conocidas de Juan Manuel Roca. En alemán es Blindenmond y Tobías y Juana Burghardt tradujeron con ese nombre una antología de poemas del autor colombiano. La edición con textos en los dos idiomas fue presentada en el Encuentro Internacional de Literatura, en Berlín, a donde asistió Roca.

EL TIEMPO - Noticias breves de Cultura (Octubre 29 de 2007, Bogotá - Colombia)

 

Blindenmond - Luna de ciegos, en su versión alemana

Aunque no sepa usted alemán, le sugerimos que lea estos versos y trate de captar su atmósfera, sus invisibles presencias, la música o el traqueo que le sugieran o se le aparezcan en la imaginación:


Ich bin so einsam, Liebste, daß zu meinem Zimmer
Nur noch, Stufe für Stufe,
Die alte Treppe hinaufsteigt, die knarrt.

Su título es "Tage wie Nadeln" y es nada menos que el poema "Días como agujas", esa especie de bautismo en la estética de la palabra que comenzó a abrir camino y cosechar admiración y proceso de crecimiento en la obra creadora de Juan Manuel Roca, hace ya cuarenta años. Creo que muchos lo recordamos de memoria:


Estoy tan solo, amor, que a mi cuarto
Sólo sube, peldaño tras peldaño,
La vieja escalera que traquea.

Lúdica especie de haiku, posible cuento breve, espejo, recreación en el descubrimiento de una liturgia donde se agitan inciensos verbales, Ábretes Sésamos ante las puertas de las tinieblas, derroteros de mapas para encontrar caminos en medio de un país recóndito, que nadie sabe si existe o lo inventamos, si nos lo decretó la inquisición del porvenir en marcha o anda cumpliendo la condena de la serpiente que se muerde la cola.

Con ese bello libro titulado "Blindenmond", que en alemán significa "Luna de ciegos", regresó de Berlín el poeta, quien permaneció allí y en otros lugares de Alemania durante algunos días que le fueron necesarios para cumplir compromisos culturales y actos en su honor programados por sus lectores y devotos que le esperaban con el fervor al que ya está acostumbrado, ahora que en forma permanente se traslada por diferentes lugares del planeta y obtiene reconocimientos y honores de quienes palpan en su poesía su tono original e independiente, al tiempo que la identidad de su país recóndito.


La cita en Berlín le permitió regresar por pocos días a Colombia, antes de emprender viajes a Cuba y México, donde le serán entregados el Premio de Poesía José Lezama Lima, que le otorgó recientemente Casa de las Américas. En México recibirá el Premio de Poesía del Mundo Latino.


Cronopios presenta un poema de muestra de la antología seleccionada por Juana y Tobías Burghardt, quienes enfrentaron el reto de la traducción (Yo enfrento el de la copia. ¡Yo me libre! - IR):

BOTELLAS DE NÁUFRAGO

En la pequeña habitación en donde vivo
Como Jonás en el vientre de un cetáceo,
Pienso: quizás los poemas sólo sean
Mensajes enviados por un náufrago,
Botellas con gritos pobremente escritos
Que acaso vayan desde el mar de los silencios
A las playas del olvido.
Pero he aquí que lanzo una botella y otra,
Y una última habitada por mis miedos.
En la pequeña habitación en donde vivo
Como Jonás en el vientre de un cetáceo,
Van quedando pocas botellas del naufragio.

FLASCHEN EINES SCHIFFBRÜCHIGEN

Im kleinen Zimmer, in dem ich wohne
Wie Jona im Bauch eines Meeressäugers,
Denke ich: vielleicht sind die Gedichte nu r
Botschaften, die ein Schiffbrüchiger gesendet hat,
Flaschen mit dürftig aufgeschriebenen Rufen,
Die womöglich vom Meer der Stille
An die Strände des Vergessens treiben.
Nun werfe ich jedoch eine Flasche ins Meer und noch eine
Und eine letzte, in der meine Ängsten leben.
Im kleinen Zimmer, in dem ich wohne
Wie Jona im Bauch eines Meeressäugers,
Bleiben wenige Flaschen vom Schiffbruch.

***

En esta version alemana, se incluye también una muestra fotográfica cedida por el poeta venezolano Enrique Hernández de Jesús, con fotos del autor, quien a su lado ha copiado versos de sus poemas.


"Blindenmond" lleva el sello editorial Delta y en la página de créditos se notifica que esta edición ha sido apoyada por la Embajada de la República de Colombia en Berlín. El libro tiene 154 páginas y contiene más de medio centenar de poemas.

 

Ignacio Ramirez

(CRONOPIOS, Jueves 20 de septiembre de 2007 - http://cronopiosdiariovirtual.blogspot.com/)

 

Presentación del libro - Buchvorstellung

"Luna de ciegos" recopila una selección de la obra poética de Juan Manuel Roca, nacido en 1946 en Medellín. Los poemas trazan una visión de su quehacer imaginativo desde el debut "Memoria del agua" (1973) hasta "Las hipótesis de Nadie" (2005). Su antología personal bilingüe "Luna de ciegos - Blindenmond", seleccionada y traducida al alemán por sus amigos poetas y reconocidos traductores Juana y Tobías Burghardt, aparece ahora en la editorial Edition Delta, Stuttgart.

Según el novelista colombiano Germán Espinosa, Juan Manuel Roca "posee la primavera perpetua de todo gran creador, es -entre nuestros poetas actuales- el Poeta".

EPIGRAMA

El agua es ágrafa
Y sin embargo escribe en sus ríos
El porvenir del mar.
El viento es ágrafo
Pero escribe en la pizarra del aire
Olor de mangle, temblor de trigal.
La luna es ágrafa
Y escribe la sombra de las tejas
En los muros de la ciudad.
Y tú crees que inventaste la escritura.

EPIGRAMM

Das Wasser ist schreibunfähig,
Und dennoch beschreibt es in seinen Flüssen
Die Zukunft des Meeres.
Der Wind ist schreibunfähig,
Aber er schreibt auf die Tafel der Luft:
Duft des Mangrovebaums, Erzittern der Ähren.
Der Mond ist schreibunfähig
Und schreibt den Schattenwurf der Dächer
An die Mauern der Stadt.
Und du glaubst, das Schreiben erfunden zu haben.

"Blindenmond" versammelt eine Auswahl aus dem poetischen Werk von Juan Manuel Roca, geboren 1946 in Medellín. Die Gedichte umfassen sein imaginatives Schaffen seit dem Debütband „Erinnerung des Wassers" (1973) bis „Vermutungen über Niemand" (2005). Seine zweiprachige Werkanthologie „Luna de ciegos - Blindenmond", ausgewählt und ins Deutsche übersetzt von seinen Dichterfreunden und anerkannten Übersetzern Juana und Tobias Burghardt, erscheint nun im Verlag Edition Delta, Stuttgart.


Der kolumbianische Romancier Germán Espinosa sagt von Juan Manuel Roca, daß „er den ewigen Frühling jedes großen Künstlers besitzt, er ist - unter unseren gegenwärtigen Dichtern - der DICHTER".

Mónica Bitar Henao
(Embajada de Colombia, 10 de septiembre de 2007, Berlín - Alemania)

 


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