Joana und andere Gedichte – Joana i altres poemes

Gedichte, zweisprachig: Katalanisch - Deutsch

ISBN 978-3-927648-18-0

Einband, broschiert
175 Seiten
19,2 × 15 cm
17,50 Eur[D] / 18,00 Eur[A] / 30,00 sFr

Aquarell von Juana Burghardt. Aus dem Katalanischen von Juana und Tobias Burghardt

Edition Delta, Stuttgart 2007

Stimmen

Lesetipp eines Lesers: Gedichte von Joan Margarit


Leser Carl-Wilhelm Macke empfiehlt einen Gedichtband von Joan Margarit "Joana und andere Gedichte – Joana i altres poemes" (zweisprachig: Katalanisch – Deutsch).

Er schreibt dazu u.a.: "Das Buch passt überhaupt nicht zu hellen Sommertagen. Eine zu empfehlende Strandlektüre ist es auch nicht. Aber das Leben ist nun mal nicht immer leicht, locker und easy going. Manchmal kommt einem mitten im schönsten Leben der verdammte Tod dazwischen. Eine Freundin, ein Freund, die Eltern, die Kinder sterben.

Und man findet einfach keine Worte, diesen Schock zu ertragen. Wem in diesen Momenten die üblichen Trostsprüchlein nur eine Zumutung sind, wer vorgedruckte Beileidspostkarten unerträglich findet, kann ja vielleicht einmal einen Gedichtband lesen. Nicht Rilke, Goethe, Hesse oder die Psalmen. Mal was Modernes, geschrieben von einem Vater, der den Tod seiner Tochter beklagt.

Über 170 Seiten Gedichte, in denen die geliebte Tochter immer anwesend ist ... Der Band ist in der Edition Delta erschienen.

Rüdiger Dingemann
(BR-online, Bücher, 14. August 2008)


SCHMETTERLING DES TODES


Joan Margarit verarbeitet in dem einzigartigen Gedichtzyklus die Trauer über den Tod seiner Tochter.

Professor Bonaventura aus Barcelona habe seine Seminare immer mit einer wiederkehrenden Begrüßung begonnen: „Guten Tag, meine Herren! Heute sind soundsoviele Jahre, Monate und Tage vergangen, seitdem meine Tochter starb.“ Diese Erinnerung an seinen Professor lässt der als Architekt ausgebildete, heute als Schriftsteller unweit von Barcelona lebende Joan Margarit mit den Zeilen enden: „Meine Tochter fand seit zwei Monaten, drei Tagen und sechs Stunden im Tod den tiefen Grund.“ In einem großen Gedichtzyklus versucht Margarit immer wieder neu Worte für den für ihn unfassbaren Tod seiner Tochter zu finden. Dass Margarit noch eine weitere Tochter hatte, diese allerdings unmittelbar nach der Geburt verlor, kann man dem Nachwort des Übersetzers Tobias Burghardt entnehmen. Auch Pablo Neruda sei früh eine schwerkranke Tochter gestorben. Über diesen Tod seines Kindes habe der chilenische Nobelpreisträger jedoch nie auch nur eine Zeile schreiben können – oder wollen. „Ich hatte das Glück“, so schreibt dagegen schillernd interpretierbar Margarit, „in einer vergleichbaren Situation nicht fliehen zu können. Neruda hatte dieses Glück nicht.“ Als Kind ist seine Tochter Joana nicht gestorben. Immerhin war sie bereits dreißig Jahre alt, als der „Schmetterling des Todes“ sich auf ihr niederließ. Von Geburt an schwer behindert, war den Eltern wahrscheinlich schon früh bewusst, dass ihre Tochter nicht alt werden würde. Aber im Gegensatz zu Neruda hat Margarit seine Tochter nicht negiert, nicht einfach aus dem Leben herausgeschoben, sondern ihre Existenz mit allen Konsequenzen akzeptiert.

Never more

Und wie zentral Joana in seinem Leben und dem Leben der ganzen Familie gewesen ist, kann man erahnen bei der Lektüre seiner Gedichte. „Die Welt ohne Joana ist der, die wir gemeinsam erlebten, ähnlich, aber sie ist nicht gleich. Winzige Unterschiede weisen mich darauf hin, dass die Menschen, die Orte und die Dinge nicht die vertrauten sind. Ich stehe also vor dem reinsten Schrecken ... Von nun an wird der Rabe von Poe in mir sein herbes ‚Nevermore’ unaufhörlich wiederholen.“ Nach dieser Einleitung folgen über 170 Seiten Gedichte (im katalanischen Original und in der deutschen Übersetzung), in denen die geliebte Tochter immer anwesend ist. „Überall tauchte Joana auf:/ von überall erschien der Blick/ jenes entstellten Körpers,/ von dem ich lernte, was Schönheit ist./ Die Spiegel der Nacht gaben/ ihr Lachen wieder, das gleiche Lachen,/ das uns die letzten dreißig Jahre umgab./ Ich fragte: Joana, was machst du hier?/ Von überall antwortete es: Ich entferne mich,/ um euch das Leben noch einmal zu zerstören.“ Und am Schluss des Gedichts mit dem Titel „Während du schläfst“ heißt es: „Mich besorgte sehr, dich alleine zu lassen./ So schwach und klein/ das erleuchtete Fenster in der Nacht auch sei,/ dies ist der Trost: es wird keine größere/ Verlassenheit mehr geben als meine.“ Kann nur, wer das gleiche Schicksal wie der Dichter erlebt hat, dessen Trauergedichte lesen?

Glut flammt wieder auf

Es ist gerade die Einzigartigkeit und Größe dieses Zyklus, dass er an keiner Stelle rührselige Betroffenheit ausstrahlt, die uns von vorgefertigten Mitleidspostkarten so unrühmlich bekannt ist. Poetische, aus dem Zusammenhang eines Gedichts herausnehmbare und zitierbare Verse findet man hier selten. Man muss sich schon die Zeit nehmen, den Zyklus vom Anfang bis zum Ende zu lesen. Von den Augenblicken, in denen Joana noch lebt bis hin zu dem vorläufigen Ausklingen der Trauer: „Mit der Stirn an der Fensterscheibe/ bitte ich meine beiden toten Töchter/ mir zu verzeihen, weil ich/ kaum mehr an sie denke./ Die Zeit hinterließ trockenen Lehm/ auf der Wunde. Und trotz aller Liebe/ beginnt das Vergessen.“ Nein, man muss nicht wie Margarit seine Kinder verlieren, um diese Gedichte in ihrer ganzen Schönheit, ihrer Trauer, ihrer lebenserschütternden Kraft zu erfassen. Wem aber dieses Schicksal nicht fremd ist, wem die Worte fehlen, um die Tiefe seiner Trauer und Verlassenheit auch anderen mitzuteilen, der wird in dem „Joana-Zyklus“ von Joan Margarit einen großen Trost finden. „Ich lege ein neues Holzscheit, bewege die Asche,/ und die Glut flammt wieder auf ...“

Carl-Wilhelm Macke
( titel-magazin.de - 10. März 2008)


Lectura bilingüe


La edición bilingüe catalán-alemán de "Joana und andere Gedichte" es el resultado de un conjunto de 34 composiciones que Joan Margarit dedica a su hija fallecida y a los que se le han añadido 39 poemas que componen la segunda parte de esta obra.

Los 34 primeros poemas, escritos durante los últimos ocho meses de la vida de Joana, son un homenaje a su hija y a la vez un intento de cerrar el largo sufrimiento que los acompañó durante ese tiempo. Los poemas de Margarit encierran una tristeza incomparable pero a la vez demuestran su agradecimiento a la vida por haberle ofrecido el tesoro de compartir treinta años con la presencia de Joana. A lo largo de estas composiciones descubrimos el carácter abierto y sensible de su hija, algunos recuerdos de su niñez, la evolución de su enfermedad y el dolor de los primeros meses sin su presencia.

A esta primera parte le acompañan otros 39 poemas de temática variada que constatan la gran sensibilidad de este autor catalán y su alta calidad literaria caracterizada por un estilo preciso e intenso. Se trata de un conjunto de poemas escritos desde sus inicios literarios hasta la acualidad. El libro se cierra con un breve comentario de Tobias Burghardt, titulado "Navigation", que sirve de introducción a la lectura y en el que se destacan elementos de la biografía y trayectoria literaria del poeta.

La lectura bilingüe de esta obra puede recomendarse a cualquier amante de la poesía, sobre todo a aquellos que quieran introducirse en la obra de este gran lírico y conocer un poco más la riqueza de la literatura catalana actual.

Esther Gimeno Ugalde
(Hispanorama 118, Nov. 2007)


Nacht der Poesie im Literaturhaus Frankfurt


Als die große Jazz-Sängerin Billie Holiday das ihr von Lewis Allen gewidmete Strange Fruit las, beschloss sie, diese Verse zu vertonen, die die Tragödie der schwarzen Bevölkerung in den Südstaaten so einmalig zum Ausdruck bringen. Heute zeigen wir ein weiteres Beispiel der so fruchtbaren Verbindung zwischen Jazz und Dichtung auf: Der Dichter Joan Margarit präsentiert mit Paraula de jazz (Worte in Jazz) Gedichte, die vom Jazz, vom Leiden, von der Freiheit und von der Liebe in fremden Städten sprechen.

Thomas Brückner
(Einführung), 13. Oktober 2007


Katalanische Lyrik bei Joan Margarit


"Meditation über den Tod" hat Espriu als das Grundmotiv seines Schreibens benannt. In dieser motivischen Obsession hat ihn der 1938 geborene Joan Margarit beerbt, der seine Gedichte ursprünglich in Spanisch schrieb, bevor er 1978 das Katalanische zu seiner Dichtersprache erkor. Die Stuttgarter Edition Delta, der wir einige schöne Übersetzungen iberoamerikanischer Literatur verdanken, hat nun ein herzzerreißendes Requiem Joan Margarits auf seine Tochter Joana vorgelegt. Margarits Tochter litt an einer schweren körperlichen Behinderung und starb nach langer Pflege im Alter von 30 Jahren. Nun vergegenwärtigt der traumatisierte Dichter die letzten Augenblicke ihres dahinschwindenden Lebens. Es ist ein bewegendes Exerzitium der Trauer: Um den Schmerz zu ertragen, versucht sich Margarits Ich in nüchterner Selbsterkundung, probiert allerlei Stilmasken des elegischen Sprechens aus, bis es doch von der furchtbaren Erfahrung des Verlusts überwältigt wird. Poesie kann den Tod aufhalten, aber nicht besiegen. Was bleibt, ist eine paradoxe Pointe: "dies ist der Trost: es wird keine größere / Verlassenheit mehr geben als meine."

Michael Braun
(Freitag - Literatur, 12. Oktober 2007)


LITERATUR AUF KATALANISCH:

Protagonisten der Buchmesse


Joan Margarit (*1938): Der Lyriker und Architektur-Professor Joan Margarit vollzog 1978 einen Literatursprach-Wechsel vom Spanischen zum Katalanischen, hauptsächlich aufgrund seiner Freundschaft mit dem bedeutenden katalanischen Dichter Miquel Martí i Pol (1929-2003).

Spiegel Online - Kultur, 14. September 2007


Poetische Trauerarbeit


Mit seiner konkreten Wahl der Worte lässt uns Joan Margarit durch seine Gedichte teilhaben am Gefühl, am Erleben der Trauer und des Loslassens, aber auch an den glücklichen Momenten der Erinnerung.

Die Krankheit seiner behinderten Tochter Joana, die mit 30 Jahren an Krebs gestorben ist und der Kindstod seiner Tochter Anna sind Erlebnisse, die Joan Margarit poetisch begleitet. Im ersten Teil des Gedichtbands sind die Gedichte enthalten, die in den letzten acht Lebensmonaten Joanas entstanden sind.

Es beginnt zu regnen, und die Weihnachtsfiguren
vom vergangenen Jahr bewegen sich
im Hof. Ich sehe Joana lächeln,
aber auf einmal wendet sie sich mir zu und schaut
mich an, dann merke ich, daß es eine Erinnerung ist,
weshalb der Regen durch sie hindurchgeht.

Der zweite Teil versammelt Gedichte von Margarits Anfängen bis heute. Auch in diesem Teil des Gedichtbands sind neben melancholischen Zeilen Trauergedichte wie etwa "Requiem für Anna" aufgeführt. Trauerarbeit könnte nicht intensiver, nicht poetischer sein.

Sabrina Gab
(Börsenblatt - Katalanische Buchwochen, 14. September 2007)


Das aktuelle Lyrikbuch


Am Ufer des Flusses ruhen nicht nur die Boote - von hier brechen auch die Verstorbenen auf, um dereinst ins Totenreich zu gelangen. So sind die Verse des katalanischen Lyrikers Joan Margarit vielleicht kleine Hoffnungsschimmer für die Toten, Rastplätze gleichsam für eine Weile, für einen kurzen letzten Aufenthalt unter den Lebenden. "Im Sand/bilden sich Pfützen, welche die Leuchtschrift/des Krankenhauses widerspiegeln./Hin und wieder öffnen sich die vom Flur/beleuchteten automatischen Glastüren,/um einer dunklen, vertrauten Gestalt/Durchgang zu gewähren".

Mit einer Sammlung von Totengebeten für seine verstorbene Tochter eröffnet Margarit den Band. Und eigentlich ist das ganze Buch ein Kaddisch, anrührend und einfühlsam, ohne im Geringsten sentimental zu sein. Meist lässt Margarit mit seinen Worten etwas sehen und hören, bis die Erinnerung zuletzt lebendig wird. Es gibt aber auch den umgekehrten Fall, das Ausloten dessen, was den Versen überhaupt sagbar ist. "Fast sprachlos kann das Gedicht sein" - so hat der Dichter Tobias Burghardt einmal seine Vorstellung von der Poesie umschrieben.

Und in schöner Entsprechung gelingt es der Übersetzung, den Worten ihre Schwere zu nehmen.

Nico Bleutge
(Stuttgarter Zeitung, 14. September 2007)


'2007, traduccions a l'alemany': Joan Margarit


L'editorial alemanya Edition Delta de Stuttgart ha publicat aquest mes de juny 'Joana i altres poemes', una antologia d'uns vuitanta poemes, del poeta Joan Margarit. D'aquests, una quarantena són de 'Joana' i la resta d'uns altres reculls seus. És la primera obra de Margarit traduïda a l'alemany. De fet, els traductors, Juana i Tobias Burghardt, responsables de l'editorial Delta, van descobrir Joan Margarit arran de l'encàrrec que els va fer l'IRL de traduir a l'alemany una antologia de poesia catalana.

L'obra de Margarit s'ha traduït no fa gaire a l'anglès, 'Tugs in the fog' (versió d'Anna Crowe, Bloodaxe Books, 2006). La traducció, molt ben rebuda, va obtenir un premi de la Poetry Society. És una antologia de tota la producció poètica de Margarit, que inclou uns dos-cents poemes. La poesia de Margarit també s'ha traduït a l'hebreu i al rus.

Durant la Fira de Frankfurt, Joan Margarit i Pere Rovira actuaran a la Literaturhaus d'aquesta ciutat amb l'espectacle 'Paraula de jazz', acompanyats del saxofonista Perico Sambeat, del contrabaixista Rai Ferrer i del bateria Xavi Monge. A més, durant la fira es presentarà la traducció de 'Joana i altres poemes' a l'estand del Grup 62.

( VilaWeb.cat , Barcelona, 9 de agost de 2007)

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