Augen eines anderen Schauens - Ojos de otro mirar

Gedichte, zweisprachig: Spanisch - Deutsch

ISBN 978-3-927648-25-8

Einband, broschiert
158 Seiten
15,6 × 15,6 cm
17,50 Eur[D] / 18,00 Eur[A] / 30,00 sFr

Gedichte. Poemas 1960-2005. Mit einer Zeichnung von Juana Burghardt. Aus dem mexikanischen Spanisch von Juana und Tobias Burghardt. Nachwort von Tobias Burghardt

Edition Delta, Stuttgart 2009

Stimmen

Bilder aus Licht

ncb. - Manchmal erinnern die Dichter an vom Aussterben bedrohte Tiere. Aus der Zeit gefallen, wandeln sie durch den Tag und besingen die Dinge, mit wenig mehr als einer Handvoll Wörter. Doch der 1940 geborene mexikanische Autor Homero Aridjis weiss genau, dass die Dichter stets aufs Ganze gehen und das Leben und die Geschichte einfangen wollen. Oft haben seine Gedichte einen erzählerischen Grundton. Sie befragen die Erscheinungen der Natur, aber nicht aus Selbstzweck, sondern um den Möglichkeiten und Gefährdungen des Menschen nachzulauschen. Dadurch bekommen die Texte eine zivilisationskritische Färbung, die bisweilen etwas Angestrengt-Lehrhaftes hat: «Ich bin der tote Fluss, / die Menschen vergifteten meine Gewässer / und mit ihnen das Leben, das in mir war.» Wenn es Homero Aridjis indes gelingt, die Dinge in ihrer Flüchtigkeit zu fassen, werden sie tatsächlich zu «Bildern und Schatten aus Licht», wie es einmal heisst. Die Übersetzung holt all die «Kaffeereste» und «Brotkrumen» in einem schwingenden Rhythmus ein.


(NZZ - Kultur, 23. Dezember 2009)

 

Der Buchapplaus

'Ist das Gedicht gemacht, verschwindet der Dichter.' 'Die Stadt ist mein Grab,/... meine Zeit ein fließendes Skelett.'... Zeilen aus Gedichten von Homero Aridjis, den Octavio Paz im Jahr 1964 zu den jungen vielversprechenden Dichtem seines Landes zählte und der in seinen phänomenologischen Gedichten die Dinge der Anschauung selbst sprechen lässt. Er reduziert die Erscheinungen auf Wörter und Sätze oder auf einfache unspektakuläre Wahrnehmungen wie in dem schönen Gedicht 'Regen in der Nacht', aus den Wahrnehmungen des Regens wird ein Epos der Existenzerfahrung: 'Der Mensch wird morgen sterben, / zweimal wird er sterben // einmal als einzelner und dann als Gattung...'

Weil er den Phänomenen ohne jede Rhetorik, ohne Wortschmuck und epiphaner Aufladung entgegen tritt, wirken seine Gedichte klar und präzise, sie sind in ihrer schlichten Sentenzialität wunderbar gefasst. 'Die Wörter (heißt es in einem Gedicht) sind die an die Füße gefesselten Schatten eines Menschen... Die Wörter sind Augenlider des Traums, mit denen der Mensch die Liebe verhüllt...' Homero Aridjis wurde 1940 in Contepec, Mexiko, geboren, arbeitete in den 80er Jahren als KuIturattaché in den Niederlanden, später war er Botschafter Mexikos in Den Haag und Bem. Homero Aridjis hat neben seiner Lyrik auch Romane und Theaterstücke geschrieben und setzt sich für das indigene Erbe Mexikos und für ein besseres Umweltverständnis in seinem Lande ein. 'Ökologie ist Poesie. Natur und Lyrik sind eng miteinander verknüpft...'

Juana und Tobias Burghardt haben mit dieser Übersetzung eine reiche Auswahl von höchst lesenswerten und schlüssigen Gedichten Homero Aridjis vorgelegt.

Matthias Ulrich
(NOXIANA - Nr. 13, Herbst 2009)

 

Gast des ilb 2001, 2004

Als jüngster von fünf Brüdern wurde Homero Aridjis, Sohn einer mexikanischen Mutter und eines griechischen Vaters, 1940 im Dorf Contepec in Michoacán in Mexiko geboren. Nachdem er im Alter von elf Jahren einen schweren Unfall nur knapp überlebt hatte, begann er zu schreiben. Mit 19 Jahren gewann er das Stipendium des mexikanischen Writers’ Center, und 1964 wurde er mit seinem Werk „Mirándola dormir“ jüngster Träger des Xavier-Villaurrutia-Preises für das beste Buch des Jahres, das zu einem Klassiker der mexikanischen erotischen Poesie avancierte. Nach einem zweijährigen Aufenthalt in Europa, der durch ein Stipendium der Guggenheim-Foundation ermöglicht wurde, lehrte Aridjis zunächst an amerikanischen Universitäten, trat dann in den mexikanischen diplomatischen Dienst ein und vertrat sein Land – noch nicht vierzigjährig – als Botschafter in der Schweiz und den Niederlanden. 1985 kehrte er nach Mexiko zurück und gründete gemeinsam mit 99 anderen bekannten Künstlern und Intellektuellen die legendäre Gruppe „Grupo de los Cien“, eine Aktivistenvereinigung mit Sitz in Mexiko, welche sich nationaler und internationaler Umweltbelange und ethischer Fragen annimmt. Von 1997 bis 2003 war Aridjis zwei Mal in Folge Präsident des PEN International und setzte sich dafür ein, der eurozentristischen Ausrichtung des PEN entgegenzuwirken. Zusätzlich zu vierzehn Bänden mit Poesie und elf Romanen verfasste Aridjis Kinderbücher, Essays und Theaterstücke, und in den vergangenen zehn Jahren arbeitete er als Kolumnist für die mexikanische Zeitung „Reforma“. Seine Arbeiten wurden in ein Dutzend Sprachen übersetzt und mit Literaturpreisen wie dem italienischen Grinzane-Cavour-Preis für „1492. Vida y tiempos de Juan Cabezón de Castilla“ (1985, dt. „1492. Die Abenteuer des Juan Cabezón von Kastillien“, 1992) ausgezeichnet. 1997 erhielt er den Roger-Caillois-Preis in Frankreich und zuletzt den Poesie-Preis Smederevo Golden Key. „Eyes to See Otherwise: Selected Poems of Homero Aridjis“, eine umfangreiche zweisprachige Anthologie seiner Gedichte, wurde 2001 in England und 2002 in den USA publiziert. Kenneth Rexroth nannte ihn einen „visionären Poeten von lyrischer Glückseligkeit, kristalliner Konzentration und unendlichen Weiten.“ Als Kämpfer für die grauen Wale, die Monarchschmetterlinge, Wasserschildkröten und Regenwälder wurde Aridjis als „grünes Gewissen“ seines Landes bezeichnet, und für seinen engagierten Einsatz für die Umwelt erhielt er zahlreiche internationale Auszeichnungen, darunter den UNEP Global 500 Award, den Orion Society’s John Hay und den International Environmental Leadership Award, der von Michael Gorbatschow und Global Green vergeben wird. Aridjis und seine Frau Betty leben in Mexiko City, viel zu weit entfernt von ihren Töchtern, der Berliner Schriftstellerin Chloe Aridjis und der New Yorker Filmemacherin Eva Aridjis.

© internationales literaturfestival berlin


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