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Stimmen


Roberto Juarroz schreibt mit einer bestürzenden Klarheit über die großen Fragen und wie sie in der Sprache erscheinen. Eine Mischung aus Mystik und Klarheit, von Philosophie und von Anschauung durchtränkt, ein intellektuelles und hohes sinnliches Vergnügen.

Michael Krüger

Poesie und Wirklichkeit

Der Argentinier Roberto Juarroz (1925-1995) gehörte zu jenen wahrhaft Großen der Literatur, die über Wesen, Wert und Wirkung der Dichtung mittels Lyrik und Essay nachdachten. Zwar ist der poetologische Essay mit 25 Gedichten erstmals vor drei Jahren auf Deutsch bei Tropen erschienen, doch erst jetzt, anlässlich des Buchmesseschwerpunktes Argentinien und der Neufassung in der Edition Delta, wird die universelle Bedeutung des argentinischen Lyrikers und Essayisten bewusst. Seine Verse sind in mehr als 20 Sprachen übersetzt worden. Anhand von 25 Gedichten aus seinem lyrischen Großprojekt "Vertikale Poesie" lotet der wohl wichtigste Poet Lateinamerikas zentrale Themen unserer Existenz aus. Er denkt über das Verhältnis von Sprache, Sein und Nichtsein nach, definiert aus immer wieder anderen Blickwinkeln den Sinn der Poesie und ihr Verhältnis zur Wirklichkeit, zur Macht, zu Freiheit, Stille, Einsamkeit, Warten, Liebe, Tod, Raum, Zeit, Geist, Einheit und Wahrheit. "Jeder wahre Dichter ist ketzerisch" heißt es und "Der Dichter kämpft beim Schreiben um die ganze Würde und die ganze Größe, die mit der Kleinheit des Menschen zusammenhängt. Und er kämpft nicht nur, er triumphiert auch, wenn er die Lampe zum Weiterbrennen bringt, die viele auslöschen wollen - und ohne die es nicht möglich ist zu leben." Anknüpfend an eine Parabel aus der chassidischen Tradition, die vom Weitergeben von Ritualen spricht, die Unglück vom jüdischen Volk abwehren sollen, begründet er überzeugend die Notwendigkeit von Erzählung, Illumination und Vision im Gedicht. "Die Welt ist der zweite Bezirk / einer unvollständigen Metapher" behauptet eines der Gedichte aus der "Fünften vertikalen Poesie". Am Ende kommt Juarroz zu dem Schluss, dass Poesie Schöpfung und Zerstörung zugleich sei.

Dorothea von Törne (Die literarische Welt, 2. Oktober 2010)


Der Buchapplaus

'Poesie ist die Rettung vor jenem unerklärlichen Sturz (in den Wahnsinn).' Roberto Juarroz Die Edition Delta legt nun einen Essayband der Poetik des großen argentinischen Dichters vor. 'Die Poesie verlangt nicht weniger als das Leben', ist seine Maxime und er belegt diesen Satz mit der Geschichte von einem Dichter, der in einem Gefängnis gequält und gedemütigt wird. Er soll unterschreiben, er sei kein Dichter mehr, dann werde er entlassen. Er weigert sich, unterschreibt nicht und geht zurück in die Zelle. Juarroz legt in präzisen Sätzen seine Haltung dar. Mut und Poesie gehören zusammen. Leben gibt es nur im Zusammenhang mit beiden Elementen. Tobias und Juana Burghardt haben diesen Essayband übersetzt und herausgegeben.

 

Matthias Ulrich (NOXIANA - Nr. 16, Herbst 2010)



Argentinien - das Land der Bücher


In kaum einem anderen Land wird so viel gelesen und geschrieben wie in Argentinien. Gleich mehrere Verlage haben diese Vielfalt für sich entdeckt und führen regelmäßig argentinische Schriftsteller in ihrem Programm. Neben Borges ist Cervantes-Preisträger Juan Gelman einer der großen Autoren Argentiniens - er ist Teil des umfangreichen Verlagsprogramms des Literaturverlages Edition Delta. Hier erscheinen außerdem die Argentinier Alberto Szpunberg, und der mehrfach ausgezeichnete Roberto Juarroz. Die Buchmesse lädt also dazu ein, sich in die argentinische Literatur einzulesen.

Stefanie Schäfer (YAEZ Die Jugendzeitung - Buch, September/Oktober 2010)

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